Herbstsonett

Mit ein paar Details bin ich noch unzufrieden, aber egal — hier kommt der Herbst:

Vor meinem Fenster fliehen schon die Stare.
Der Deckendruck treibt mich hinaus zum Teich.
Dort raufen rauschend Weiden ihre Haare,
und mich umstöbern Blätter, Schuppen gleich.

Die Entenstaffel startet in Kolonne,
dreht quakend eine Runde und fliegt fort.
In Afrika brennt sicher grad die Sonne,
kein Blättermoder und kein Nebel dort…

Die Vögel, die im Süden Wärme tanken,
beneidend, steh ich eine Weile hier.
Der ferne Stadtlärm weckt mich aus Gedanken,
erinnert an den Unterschied zum Tier,
an Rechnungen, Versicherungen, Banken —
und seufzend sitz ich wieder vor’m Papier.

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5 Antworten zu “Herbstsonett

  1. Ich find es wirklich gut! Bis auf ein paar Details ;) Ich warte also und lass mich überraschen! Nicht das du auf die Idee kommst, es zu vergessen!

  2. christianseverin

    Aha, was hat denn Dich gestört? Wenn das dasselbe war wie bei mir, dann muss ich mich da wirklich nochmal dransetzen.

  3. Christian, das Gedicht ist wirklich schön! Ich finde einfach das du unglaubliches Talent hast und ich würde – ach so gern – mehr Gedichte von dir hier lesen!

    Also hier der Hauch einer Kritik: Ich finde, das Gedicht ist ein wenig schleppend in der Intonation … nicht schlimm! Aber ich sah eben, dass zu noch ein wenig unzufrieden bist und dacht‘ ich schreib was mir auffällt.

    In den den ersten beiden Zeilen zum Beispiel: Das wirkt ein ganz klein wenig „träge“ und „zusammengebaut“ … Ein so schönes Gedicht braucht einen „Fluss“ …. dann wird es nämlich richtig rund! … Ist aber nur mein bescheidenes Gefühl!!!

    Mir schwebt es etwa so vor: einfach mal auf die schnelle .. aber ich versuche mal die Zeilen nach meinem Gefühl zusammen zu kitten:

    Die Stare flieh’n vor meinem Fenster
    und der Deckendruck treibt mich zum Teich
    Rauschende Weiden – wie Gespenster
    umstöbern mich mit Blättern gleich …

    Und jetzt hoffe ich, dass du meine Zeilen nicht überbewertest – sie sind einfach nur mein Gefühl und keine harte Kritik – denn dazu fehlt mir die Kompetenz !!

  4. christianseverin

    Hmmnja…
    Das statisch-träge Moment in den ersten beiden Zeilen kommt vielleicht einfach von den abschließenden Punkten. Ein Komma z.B. würde die beiden Sätze flüssiger verbinden — aber dann wäre die Verbindung übertrieben stark, oder?
    Schwierig.

    Was mich eigentlich stört, das ist das Komma nach „beneidend“. Ich bin mir aber gar nicht sicher, dass da überhaupt eins hinmuss. Muss ich mal recherchieren oder vielleicht nochmal ganz umschreiben, wenn ich Zeit habe. Real Soon Now.
    *seufz*

  5. Ja Christian … da bin ich selbst immer bei meinen Gedichten total überfragt und vergleiche oft … Also, schön dass es nicht nur mir so geht :)

    Also in der ersten Zeile würde ich keinen Punkt setzen, sondern ein Komma … in der zweiten dann ein Semikolon … Aber ich denke, du könntest auch in der ersten ein Semikolon setzen – je nach Intonation! Aber Punkt? Nein!

    „beineidend“? Ja, hier theoretisch – wo ein „so“ nachfolgend wäre leuchtet das Komma ein … ohne Zeichen ist es nicht richtig zu intonieren …. Ohje .. Dilemma!!!! Also Komma oder Bindestrich?

    Können wir zusammenlegen und uns einen Profi leisten?

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