Bücherwurm auf Diät

Mir fiel gerade auf, dass es jetzt fast anderthalb Monate her ist, dass ich zu Weihnachten ein halbes Dutzend Bücher geschenkt bekommen habe — und ich habe noch kein einziges davon durchgelesen! Mehr noch: ich habe noch kein einziges davon auch nur angefangen! Und das liegt beileibe nicht daran, dass das schlechte Bücher wären: zwei davon sind von Neil Gaiman, und selbst ein schwaches Buch von Gaiman ist noch immer ziemlich gut.

Jetzt fallen mir meine Eltern ein, die mich früher immer zum Aufräumen/Saugen/Fahrradreparieren/wasauchimmer gemahnt haben. Wenn ich mich dann rauswinden wollte, weil ich doch unbedingt nur noch schnell diese drei Seiten, und es sei gerade so spannend, und, und überhaupt — dann kam immer so ein Satz wie: „Ich würde auch gerne noch was lesen! Ich habe drei Bücher hier liegen, in die ich noch keinen Blick geworfen habe!“ Ich kann mich noch erinnern, mit welcher Mischung aus Unglauben und Bedauern ich meine Eltern angesehen habe, weil sie nicht zum Lesen kommen. Nicht zum Lesen! Schrecklich.

Werde ich jetzt erwachsen?

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8 Antworten zu “Bücherwurm auf Diät

  1. Na ja, ist immer eine Frage der Prioritäten. Seien wir ehrlich, wie viele Folgen Buffy hast du seit Weihnachten geguckt? Wieviele Runden Civi gespielt (oder was auch immer du gerade auf deinem Rechner so zockst). Wie viele Blogeinträge geschrieben, wie viele andere Blogs oder sonstige Webseiten gelesen? Ist auch alles schön, oder?

    Ich lese heute auch viel weniger als früher. Liegt aber eigentlich nicht daran, dass ich weniger Zeit habe, sondern daran, dass andere Formen der Freizeitgestaltung halt noch bequemer sind und mich meistens mehr locken. Lesen tue ich vorzugsweise auf Zugfahrten, bei meinen Eltern oder während ich warte, dass meine Kartoffeln gar kochen. Also wenn Computer, Fernseher und andere Unterhaltungsmedien schwer zugänglich sind. Dann auch immer noch mit der gleichen Begeisterung wie früher (obwohl ich sagen muss, dass ich heute auch nur noch selten ein Buch finde, dass mich echt fesselt, American Gods von Neil Gaiman steht z.B. seit drei oder vier Jahren in meinem Schrank, hab ich fünfmal angefangen und jedes Mal wieder weggelegt) Letztes ohne größere Pause durchgelesenes Buch war „Ausgebrannt“ von Eschbach, das habe ich aber echt verschlungen und in der Zeit den Computer auch kaum angehabt. Meistens versuche ich abends im Bett noch ein Kapitel zu lesen, aber da bin ich dann nach ein oder zwei Seiten so müde (oder bei dem Follet, den ich gerade lese, so gelangweilt oder verärgert), dass ich lieber die Augen zumache und penne.

  2. Hmmnjaaa… Du hast Recht, es ist alles eine Frage der Prioritäten. Andere Hobbies sind auch schön, und irgendwas muss halt immer dran glauben. Wenn meine Liste der Lieblingsbeschäftigungen das nächste Mal umgeschichtet wird, dann wird Lesen vermutlich auch wieder weiter oben landen.
    Das Dumme ist, dass Lesen eine ziemlich einsame Angelegenheit ist. Wenn Susanne und ich mal Feierabend haben und zwei gemeinsame Stunden vor uns, dann sagen wir halt selten: „Was hältst Du davon, wenn sich jeder in seinen Sessel setzt und ein Buch liest?“

    Aber mir fällt auf, dass die Lesezeit-Häppchen auf der Toilette jetzt nicht mehr in Fantasybücher investiert werden wie früher, sondern in die ausgeschnittenen ZEIT-Artikel, die meine Eltern mir immer aufheben. Und jede Woche kommt eine neue Tüte mit Papierschnipseln an! Man kommt kaum hinterher! Jede Woche wieder eine Tüte voller interessanter ZEIT-Artikel, und der Stapel wächst, und irgendwann wird er von der Fensterbank rutschen und sich auf dem Boden ausbreiten, und nach ein paar Wochen werden wir die Toilette kaum noch benutzen können, weil alles mit Zeitungsausschnitten überwuchert ist, und wir werden gezwungen sein, unser Geschäft wie im Mittelalter in Nachttöpfe zu verrichten und diese aus dem Fenster auszuleeren, auf die Köpfe der vorbeieilenden Schulkinder und Spaziergänger.
    Und dann, nehme ich an, wird es ganz schnell Zeit, dass wir umziehen, und hinter uns wird im Abendsonnenschein ein Haus brennen.

    Oder so.

  3. Da würde ich eine Kurzgeschichte draus machen :) Oder ein Drabble.

  4. Hu, wow… Zwei Gedanken spontan dazu:

    a) muss es ein Lied von Tom Waits geben, das die Thematik dieser anstehenden Kurzgeschichte aufgreift. Keine Ahnung, welches, aber Fiddler’s Green haben so eins gemacht und berufen sich auf ersteren.

    b) Eine durchschnittliche Ausgabe der „Zeit“ hat jede liebe Woche die Textmenge der „Buddenbrooks“.

  5. Naja, zum Thema a) gibt es auch ganze Bücher. In den deutschen und englischen Wikipediaeinträgen zum Thema Bibliomanie gibt es ein paar traurige historische Gestalten, die sich mit dem Ansammeln von Papierbergen in den Ruin getrieben haben. Die Brandgefahr ist auch ganz enorm, wenn man ein komplettes Haus bis auf ein paar Kriechtunnel mit Papier füllt, von der Deckenlast mal ganz abgesehen. Wenn ich mich nicht irre, gab es auch mal einen ZEIT-Artikel dazu…
    Und was b) angeht: war der Mengenvergleich jetzt einfach aus dem Hut gezaubert, oder hat das mal jemand gemessen? Also: Plausibel klingt es ja schon…
    OK, Handzeichen: wer findet die durchschnittliche ZEIT-Ausgabe interessanter als die Buddenbrooks? *heb hand*

  6. Thema a) meinte eher das vorsätzliche Anzünden und Verlassen der eigenen Wohnstätte – sicher auch gern genommen in Verbindung mit Bibliomanie.

    b) hab ich mir mal als süffiges, leicht zu merkendes Faktum aus einer alten ZEIT höchstselbst gemerkt und kann zu der Fragestellung ebenfalls nur die Hand heben. Bei einem Vergleich mit dem Zauberberg müsst ich schon überlegen.

  7. Hah – das Lied ist „Franks Wild Years“ (ohne Apostroph) von der gleichnamigen Platte von Tom Waits, 1987. Die Version von Fiddler’s Green greift sich eigentlich nur die Handlung und macht einen sehr viel fetzigeren Irish Punk Folk draus, deswegen merkt man das gar nicht, wenn sie einen nicht selber drauf stoßen. „Days of Yore“, 1992.

  8. OK, jetzt habe ich mal den Text gegoogelt (schreibt man das eigentlich „gegoogelt“ oder „gegooglet“? Gleich mal goog[el|le]n: Beim Google Fight gewinnt „gegoogelt“ glatt 7 zu 1. Aha.)

    Wo war ich?
    Ja: habe gerade den Text gegoogelt und festgestellt, dass das natürlich mit Büchern herzlich wenig zu tun hat. Sorry. Und die Tussi im Lied hat zum Glück mit meiner Frau nichts gemein. Aber hören möchte ich das Lied doch schon mal.

    Aber jetzt gebe ich mir erstmal eine heftige Dosis „Tom Waits: The Early Years“ auf die Ohren.

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