Larns Abschied

„Warum, Weib? Warum?“
Larn hielt inne und grimmte hinüber zu der zusammengekrümmten Gestalt auf dem Bett. Die einzige Antwort war ein Zucken der Schultern und zitterndes Atmen. Er wirbelte herum und nahm sein ruheloses Stapfen wieder auf.

„War ich kein guter Gatte? War ich doch! An nichts hat’s dir gefehlt: Essen, Kleidung, Obdach! Und nie hab ich dich geschlagen! Als dir unsre beste Henne unter den Händen krepiert ist, hab ich nichts gesagt! Als du die große Schüssel zerschlagen hast, hab ich nichts gesagt! Und… Undund… als du vergessen hast, das Gatter zu schließen und wir alle Ferkel im Wald suchen mußten, hab ich da was gesagt? Hab ich dich geschlagen? Nein, hab ich nicht! Also warum?“

Er drehte sich wieder zu dem bebenden Häuflein Mensch auf den Strohsäcken um. „Ja, er ist reich, bin ich nicht. Hat er dir was gegeben dafür? Hat er dich bezahlt, oder dir Geschenke gegeben? Oder hat er versprochen, daß er dich mitnimmt auf sein verdammtes Scheißschloss, hmmm? Das wars wohl… Dummes Huhn…“

Larn ließ sich müde auf einem der beiden Hocker in der Hütte nieder, stützte den schweren Schädel in seine Bauernpranken und starrte durch die Tischbohlen hindurch.

„Ich versteh das nicht, Durbe… Wir waren doch ein gutes Paar… Wir waren doch glücklich, oder?… Naja, Kinder… aber es war doch noch nicht zu spät, oder?“

Ein nachdenklicher Blick zur Frau auf dem Bett. Nicht mehr die Jüngste, aber er selbst hatte ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Larns Finger streichelten blind über das blankgescheuerte Eichenholz, glatter als seine eigenen Fingerkuppen und sauberer. Ein guter Tisch, er hatte lange daran gearbeitet vor der Hochzeit. Eine Weile betrachtete er die Narbe auf seinem Handrücken und den Blutfleck auf dem Ärmel.
„So ein Schwein… schickt uns gegen die Hurther, zwei Monate Marschieren und Kampf, sein General immer vorweg in toller Rüstung, dem passiert ja auch nichts; Malk und Fork hat’s erwischt, und den jungen Brenn von den Guldams; und er selbst nimmt sich derweil hier unsere Weiber vor… Ach, Durbe… Was soll ich denn jetzt machen?“

Es war fast völlig dunkel geworden in der Hütte; eigentlich wäre jetzt die Zeit für einen letzten Gang über den Hof, und dann ins Bett, aber das müsste er dann teilen mit dieser Frau dort, die jetzt nicht mehr zitterte, sondern nur noch von ihm weg in den Schatten starrte. Keine Antwort.

Larn rieb sich die Augen und seufzte. Dann erhob er sich schwerfällig, sammelte einige Werkzeuge ein, nahm zwei Kerzenstumpen vom Regal und seinen guten Umhang aus der Truhe. Dann schaute herab auf das Bett.
„Ich denke, ich sollte jetzt gehen. Tut mir leid, daß es so endet, Durbe, aber du verstehst… Vielleicht hast Du es jetzt ja besser.“

Er hob die Axt auf, wischte behutsam das Blut am Strohsack ab, trat dem Mann, der auf der Schwelle lag, im Darübersteigen beiläufig ins Gesicht und schlurfte hinaus in die junge Nacht.

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Das war damals inspiriert von Ewalds Rollenspielcharakter (Hallo, Ewald!) und hat dann ein gewisses Eigenleben entwickelt. Vermutlich wird er irgendwann eine kleine Rolle spielen, wenn ich irgendwann mal meinen Roman schreiben sollte. Aber haltet nicht die Luft an bis dann…

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