War hier nicht eben noch eine Postfiliale?

Ich habe eigentlich nichts gegen die Post. In meinem Geiste ist die Post noch immer überall und besteht aus freundlichen Männern, die morgens mit gelben Lasträdern durch die Gegend radeln und freundlich grüßend Briefe verteilen. Dieses Bild ist über Jahre gewachsen und hat sich bei mir festgesetzt, aber mittlerweile kriegt es einen Riss nach dem anderen.

Die Post war mal überall. Heutzutage kann ich die Postfilialen schon gar nicht mehr alle zählen, die vor meinen Augen dicht gemacht haben. Und das geht ja so schnell! Neulich wollte ich irgendwas von der Postbank, und der freundliche Postfilialen-Eisenwarenfachverkäufer —

(Apropos Eisenwarenfachverkäufer: es gibt ja keine Postbeamten mehr! Das sind heutzutage alles Einzelhändler, die nebenher Pakete annehmen, Versicherungsmakler, die nachts Postsendungen sortieren, und Bäckerboten, die während der Brötchentour ein paar Briefe einwerfen. Die gesamte Post scheint ein einziger Zweitjob geworden zu sein.Ratloser Postbote

Ende der Abschweifung.)

Der freundliche Eisenwarenfachverkäufer musste mir mit Bedauern mitteilen, dass er jetzt zwar noch eine Postfiliale, aber keine Postbankfiliale hätte. Wo die nächste sei? Jaaa… das sei eine gute Frage, meinte der Mann. Ich möge es doch mal in der Innenstadt versuchen: die Hauptpost am Dom zumindest, die sollte wohl noch eine Postbank haben.

Supi.

Daraufhin habe ich drei Postfilialen abgeklappert, um diesen Wisch gestempelt zu kriegen. Die erste hatte keine Postbank, die zweite war offenbar kurz vorher insgesamt dichtgemacht worden, und die dritte machte gerade Feierabend. Feierabend??? Ich war noch mit dem Verdauen des Mittagessens beschäftigt, und die machen Feierabend?

Supi.

Ich frage also eine freundliche Passantin, wo denn bitte in der Nähe die nächste Post sei, möglichst mit Postbankfiliale. Jaaa… das sei eine gute Frage, meinte die Frau. Da hinten, zwei Straßen weiter, da sei doch– geschlossen? Wie, geschlossen? Ach was! Letzte Woche, meinte die nette Dame, sei sie noch da gewesen. Sonst noch eine Post? Tja, ich möge es doch mal in der Innenstadt versuchen: die Hauptpost am Dom zumindest, die sollte wohl noch eine Postbank haben.

Supi.

Nach ein paar weiteren ergebnislosen Befragungen kam ich tatsächlich auf die Spur einer Postfiliale, die nach Aussagen meiner Informanten auch noch vor Kurzem einer Postbankfiliale Unterschlupf gewährt haben sollte. Bei der Observation von der nächsten Straßenecke aus konnte ich aus den Augenwinkeln feststellen, dass a) ein Postschild am Laden hing und b) noch Kunden anwesend waren. Die Chancen auf eine erfolgreiche Mission waren schlagartig gestiegen!
Ich also raschen Schrittes rein und an der Schlange hinten angestellt. Die Schlange war ungefähr ein halbes Dutzend Leute lang und bewegte sich… nur… sehr… langsam… vorwärts. Die Dame hinter dem Schalter bediente die Leute… ja… auch… sehr… sorgfältig. Löblich, sowas.

Irgendwann hatte ich dann meinen ersehnten Stempel und bestellte gleich noch schnell ein Heftchen Briefmarken. Hey, wenn ich schonmal eine offene Post erwischt hatte, dann musste ich das doch ausnutzen, oder? Ich zückte also meine Postbank-EC-Karte und fragte: „Kann ich hiermit bezahlen?“

Tja.
Das war ein Fehler.

Aber warum das ein Fehler war, erkläre ich ein andermal, jetzt muss ich erstmal meine 100 Wörter schreiben. Sorry…

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Eine Antwort zu “War hier nicht eben noch eine Postfiliale?

  1. Die Süddeutsche hat sich dieses Themas heute auch angenommen:
    http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/panorama/artikel/732/164270/

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