Musikhalle – der Morgen danach

Die Wahlergebnisse sind da, und das Bürgerbegehren hat mit 70% der Stimmen überragend gewonnen.

Und jetzt?

Zunächst: Ich war überrascht, wie deutlich die Abstimmung ausgegangen ist. Nach der Propagandaschlacht der letzten Wochen hatte ich wirklich keine Ahnung mehr, wie die Gesamtstimmung in der Bevölkerung sein könnte. Fast alle, mit denen ich mich unterhalten habe, waren gegen eine städtische Beteiligung an der Musikhalle unter den gegebenen Umständen, aber wenn man nach der Zeitungsberichterstattung vor der Wahl urteilt, dann waren 90% der „Leute auf der Straße“ dafür. Offenbar war ich nicht der Einzige, der von der Klarheit der Entscheidung überrascht war, denn einige Kommentare der Musikhallenfreunde in der Wahlnacht klingen überrascht und gekränkt: wieder einmal wurde der Untergang der westlichen Zivilisation heraufbeschworen, Münster wurde ein Abstieg in die kulturelle Drittklassigkeit prophezeit und abermals die „Kultur gegen Sozial“-Karte gezogen. Das wollen wir mal verbuchen unter „Verletztes Um-sich-Schlagen“ — Schwamm drüber. Ich will jetzt nicht aufzählen, wieviele Leute ich kenne, die Musiker sind oder reich oder beides, und die trotzdem die Musikhalle unter diesen Umständen für eine blöde Idee halten.

Wie geht es weiter?

Optimaler Ausgang wäre, wenn noch die nötigen Spenden zusammenkommen, um eine schöne große Musikhalle zu bauen, und sich vielleicht auch eine Stiftung findet, die die (fast sicher nötigen) Finanzspritzen für den laufenden Betrieb zur Verfügung stellt. Münster sollte eigentlich genügend viele genügend reiche Mitbürger haben, nicht?
Alternativ dazu kann man ja noch hoffen, dass die Stadt in ein paar Jahren das Defizit abgebaut hat. Dafür haben wir ja schließlich das Rödl-Gutachten in Auftrag gegeben. Und wenn die Stadt erst einmal im Plus ist, dann sollten wir in der Lage sein, ein solches Projekt auch rein aus öffentlichen Mitteln zu stemmen.

Aber egal ob Spenden oder Haushaltssanierung: ich werde nicht die Luft anhalten, bis es dazu kommt.

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4 Antworten zu “Musikhalle – der Morgen danach

  1. Ja, ist schon bitter, wenn man als Politiker so erfahren muss, dass man irgendwie an der Volksmeinung vorbei regiert. Mehr direkte Demokratie für alle!

    Ich fände es allerdings nett, wenn das Geld, das jetzt nicht für die Musikhalle ausgegeben wird, irgendwie sichtbar sinnvoll in andere kulturelle und soziale Projekte fließen würde und es nicht etwa heißt: „Münsters Bürger wollen ja offenbar keine Kultur, dann bauen wir eben noch ein Parkhaus“ oder so.

  2. Nein, das mit anderen Projekten oder dem Parkhaus statt Musikhalle funzt nicht, weil das Geld ja nicht existiert. Und für ein Parkhaus muss man zum Glück nicht DRINGEND! JETZT! 12 Millionen auf Kredit investieren.

    Aber gestern stand schon wieder so ein verschnupfter „Alles Kulturfeinde hier, ich ziehe weg!“-Leserbrief in der Zeitung. Oder war das aus dem WN-Forum zitiert? Ich weiß nicht mehr.
    Idiotisch jedenfalls.

  3. Für manche „Kulturfreundin“ ist Münster nun jedenfalls gestorben – man könnte fast meinen, mit der Musikhalle sei auch das Abendland untergegangen:

    http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/startseite/mslo/art993,248400

  4. Mein Gott, wenn die Zeitung das korrekt wiedergibt, dann hat die Frau doch einen Schaden. Die schlichten Geister in Kinderhaus wurden vom Menschenfänger Klas mit Nazimethoden umworben? Wie es scheint, geht sie wirklich in ihrem Forschungsgebiet auf…

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