Grammatik-Nazi meinte, dies ist was fuer dich

Die Amis bezeichnen Leute wie mich ja als „Grammar-Nazi“, also als Grammatik-Nazi, auf Deutsch höre ich normalerweise einfach nur ein geseufztes „Klugscheißer…“.

Gerade musste ich über mich selber schmunzeln: Ich überflog meinen Spam-Ordner („Viagra blabla Nebenjob blabla Viagra blabla Lotterie blabla Viagra blabla Aktien-Tip blabla“), und mein Blick blieb automatisch hängen an der Betreffzeile „Corinne meinte, dies ist was fuer dich“.

„Dies ist“?
Mindestens „dies sei was“ für mich, aber vermutlich eher „dies wäre„, verdammt nochmal!

Und der Witz ist, dass mir sowas tatsächlich oft einfach ins Auge springt. Vielleicht sollte ich Lektor werden.

Wahrscheinlich würde ich noch an der Himmelspforte einen Rausschmiss riskieren, weil ich Petrus unbedingt auf einen Rechtschreibfelher im Passierschein aufmerksam machen muss…

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7 Antworten zu “Grammatik-Nazi meinte, dies ist was fuer dich

  1. Pervers sind jetzt eigentlich nur, dass(ssss) du auch noch stol(t)z darauf seinen scheinen zu müssen brauchen!

  2. Auf diesen Blick bin ich durchaus stolz — Schrift- und Sprachdebugging ist gar nicht ohne, da kommt so ein Ins-Auge-Springen manchmal enorm gelegen.

    Vermutlich muss ich, wenn mir sowas aufgefallen ist, nicht immer gleich darauf reagieren. Aber solange ich z.B. einem Blogger eine diskrete Mail schicke und auf Rechtschreibfehler aufmerksam mache oder sowas in Wiki-Artikeln direkt verbessere, nerve ich doch niemanden, oder?

    Und wenn der Unterschied zwischen „ist“, „sei“ und „wäre“ nicht so wichtig wäre, dann könnten wir ja einfach alles abschaffen, was nicht stumpf „so ist es“ bedeutet, sondern noch irgendwelche Nebeninformationen wie „behauptet er“ oder „(ist es aber nicht)“ enthält, oder?

  3. Na ja, in Anbetracht dessen, dass z.B. die russische Sprache (und noch etliche andere) völlig ohne ein Verb, dass die Existenz ausdrückt (also einer Entsprechung zu „sein“) auskommen, denke ich mal, dass man sich auch ohne großen semantischen Verlust ausdrücken könnte, wenn man die verschiedenen Konjunktivformen unter den Tisch fallen ließe. Du hast ja schließlich auch problemlos verstanden, was „Corinne“ von dir wollte, oder?

    Ich bin ja selber Sprachästhetin in vielen Belangen. Aber ich sehe durchaus einen Unterschied zwischen einem literarischen Text (wo mir ein solcher Schnitzer wirklich übel ins Auge springen würde) und einer flüchtigen Kommunikationsform wie Email, wo es ja nur darum geht, eine Information an den Mann zu bringen.

    Ganz übel finde ich grammatische Korrekturen im mündlichen Kontext. Damit kann man den Gesprächspartner ganz bitter auflaufen lassen, vor allem in sowieso schon emotional aufgeheizten Gesprächen.

    „Jetzt hast du schon wieder den Müll nicht runtergebracht, ist doch immer das Selbe mit dir“
    „Das Gleiche, Schatz, es muss heißen: das Gleiche“

    Schlechte Idee! Kann man aber bestimmt eine schöne Kabarettnummer oder ein Lied oder ein Gedicht draus machen. Mach doch mal!

  4. @Capella: Wollen wir wetten, dass auch die russische Sprache sowas wie den Konjunktiv kennt? Eine derartige Konstruktion gibt es ja nicht nur für das Verb „sein“…

    Und was diese Form der Ablenkung bei Diskussionen angeht: solche Finten sind ja nicht nur auf Grammatik beschränkt, das geht mit jeder Art von nebensächlicher Korrektur.

  5. Erstmal ist es interessant, dass du deinen Spam überhaupt liest ;-). Meiner ist übrigens zum Großteil auf Englisch, und ich bin auch immer erstaunt, auf wie viele Weisen man das Wort „Viagra“ schreiben kann.
    Aber zurück zu Lü… zum Konjunktiv: Ich kann das sehr gut verstehen, mir springen diverse Dinge auch immer viel zu schnell ins Auge. Mir rollen sich zum Beispiel immer die Fußnägel, wenn jemand „wegen dem“ sagt – obwohl es ja mittlerweile sogar erlaubt ist. Woran liegt das nur…?

  6. Pingback: Neues von der Spam-Front « Det fiel mir ooch noch uff…

  7. Nervig werden Grammatik-Nazis eher dann, wenn man ihnen auf englischen Seiten begegnet, und sie keinen Unterschied zwischen Muttersprachlern und solchen die es nicht sind machen.

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