Grüne Gentechnik, rote Gentechnik II

Das hier ist etwas zu lang geworden für einen Kommentar.

Als Antwort auf Tobias:

Aber warum du bei roter Gentechnik weniger vorsichtig sein willst verstehe ich nicht.

Moment, Moment, von „bei roter Gentechnik weniger vorsichtig“ kann nicht die Rede sein! Aber es gibt halt meines Wissens nach ausserhalb von Horrorfilmen keine Versuche mit genmanipulierten Tieren, bei denen die Mutantenmäuse sich auf den Weg in die Freiheit gemacht haben. Das ist bei der grünen Gentechnik anders.

Ja, und die Gentherapie beim Menschen ist halt noch auf Nicht-Keimzellen beschränkt, das erschwert die Verbreitung ausserhalb des Körpers. OK: irgendwann wird man vermutlich auch, um ein Beispiel zu nennen, versuchen, bei Mukoviszidosekranken ein paar Gene in den Keimdrüsen umzuschalten, damit die Leute gesunde Kinder kriegen können. Aber bevor man das macht, werden noch viele, viele Liter durch die Pipetten gehen müssen, und hoffentlich werde bei den vorhergehenden Tierversuchen die Testpopulationen auch besser überwacht als man das jetzt beim Genmais macht.

Ich glaub man könnte sogar mit grüner Gentechnik mehr Menschenleben retten als mit roter, wenn man mal an die Nahrungsmittelknappheit in einigen Gegenden dieser Welt denkt.

Die meisten der genmanipulierten Pflanzen sind nicht direkt für den Verzehr bestimmt. Raps, Baumwolle, Zuckerrüben: davon wird niemand satt. Es geht vielmehr darum, Pflanzen resistenter gegen starke Herbizide wie Roundup zu machen, damit man das Feld mit Gift einnebeln kann — welches auch von Monsanto vertrieben wird. Es geht darum, Pflanzen gegen manche Fressfeinde wie den Baumwollkapselkäfer resistenter zu machen, wogegen ich nichts habe, was aber bisher noch nicht zu funktionieren scheint. Es geht auch darum, Früchte gegen Schäden durch maschinelle Verarbeitung, Transport und Lagerung zu feien, so zum Beispiel die Flavr-Savr-Tomate, was bisher ein Fehlschlag war.
Generell also: grüne Gentechnik hilft nicht dem afrikanischen oder indischen Kleinbauern, sondern zielt eher auf den Agrarindustiellen in Europa und den USA.

Am Schluss drischt du dann noch ein bisschen auf Monsanto ein. Das was diese Firma so macht finde ich ethisch auch nicht besonders toll aber es ist doch weitestgehend legal.

Ich würde das nicht „auf Monsanto eindreschen“ nennen. Was die Firma macht, das ist oft illegal. Selbst, wenn es legal ist, ist es oft zwar formal korrekt, aber trotzdem unmoralisch. Nun erwarte ich von keinem Menschen und von keiner Organisation, sich immer engelsgleich zu benehmen. Der gelegentliche Skandal ist OK, solange danach eine Besserung erkennbar ist. Wie gesagt: der gelegentliche Skandal — irgendwann ist auch mal gut.

Allerdings könnte das Kartellamt in den USA mal einen blick auf diese Firma werfen. Sie scheint langsam zu einem Monopolisten zu werden.

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Monsanto ein De-Facto-Monopolist. Aber das Kartellamt in den USA wird nichts unternehmen, weil die Konkurrenz nicht primär US-amerikanisch ist, und solange die anderen kleingehalten werden, ist das OK.

Was aber anscheinend von allen hingenommen wird ist die Patentierbarkeit von Pflanzen und Tieren. So was geht doch einfach nicht.

Jein. Ich habe auch ein komisches Gefühl dabei, wenn irgendwas Lebendiges patentiert wird. Andererseits kann ich verstehen, wenn eine Firma, um ein Beispiel zu nennen, ihre neue Krebsmaus patentieren lassen will. Das Viech ist total beliebt: jedes Krebsforschungsinstitut kauft die Mäuse im Dutzend, weil die nach vier Monaten so schön zuverlässig Knochenkrebs kriegen. Fein. Wenn jetzt ein Konkurrent ankommt, von dieser Maus ein Männlein und ein Weiblein kauft und seine eigene Mäusezucht damit aufzieht, um die Dinger zum halben Preis an den Mann zu bringen, dann bleibt Firma 1 natürlich auf den enormen F&E-Kosten sitzen. Das ist genau wie mit Medikamenten.

Deshalb kann ich verstehen, wenn solchen Firmen eine Schonfrist eingeräumt wird, in der sie ein Monopol auf die Vermarktung ihrer Entwicklung haben. Nach Ablauf dieser Frist geht das Recht am Produkt dann an die Allgemeinheit, so dass es auch andere Firmen produzieren können. Dazu gibt es halt Patente.

Wobei ich wirklich Probleme habe, das ist, wenn sich große Unternehmen irgendwelche „neuen“ Pflanzen aus Afrika, Asien oder Südamerika schützen lassen, die von den lokalen Bauern seit Menschengedenken genutzt werden, und die Unternehmen diesen Bauern dann die Nutzung verbieten lassen wollen. Sowas ist dann wieder böse.

Und Hybride in die 3. Welt zu verkaufen sollte auch verboten werden.

Warum?

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4 Antworten zu “Grüne Gentechnik, rote Gentechnik II

  1. Schön das du geantwortet hast. Ich versuche mich diesmal auch kurz zu fassen.

    „Aber es gibt halt meines Wissens nach ausserhalb von Horrorfilmen keine Versuche mit genmanipulierten Tieren, bei denen die Mutantenmäuse sich auf den Weg in die Freiheit gemacht haben.“

    Bei roter Gentechnik geht es ja nicht nur um Tiere sondern auch um Pharmapflanzen. [1] Und da sind „Bei Freisetzungsversuchen in Nebraska (USA) … bereits transgene Maiskörner, die einen Impfstoff gegen eine Viruskrankheit bei Schweinen produzieren, in einem Silo zwischen Sojabohnen gefunden worden.“ [2]
    Also da gibt’s die gleichen Probleme wie bei der grüne Gentechnik.

    Zu „grüne Gentechnik für die 3. Welt“:
    Ich schrieb ja extra „könnte“, man beachte den Konjunktiv. ;) Aber es wurden ja bereits Gen-Maissorten bei denen nicht nur der Ertrag erhöht, sondern auch eine Pilzresistenz entwickelt wurde.

    Zu deiner Patentierten Genmaus. Dein Beispiel ist ja schon recht gut. Aber die Firma könnte ihre Entwicklung auch schützen indem sie nur die erzeugten Medikamente verkauft. Mein Beispiel für die Gefahren währe ein patentierte Weizenart. Jetzt darf der Bauer nicht mehr einfach einen Teil der Ernte zurückhalten und im nächsten Jahr aussähen, zumindest nicht ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Eine gute Stellungnahme findet man bei Misereor zu dem Thema. [3]

    Und zum Schluss noch zu den Hybriden. Meine Abneigung Hybride in die 3. Welt zu verkaufen ist ehr emotional begründet. Es ist halt wie anfixen. Ein Bauer der erst einmal Hybride benutzt hat kommt schwer wieder zurück zur konventionellen Anbaumethoden zurück. Damit macht er sich abhängig von den Saatgutherstellern. Das ist aber alles legal und hilft den Firmen bei der F&E neuer Sorten. Aber ich finde es hat halt wie die Badener sagen würden ein Geschmäckle.

    [1] http://www.umweltinstitut-muenchen.de/download/diplomarbeit_bauer_transgene_pharmapflanzen.pdf

    [2] http://de.wikipedia.org/wiki/Pharmapflanze#Risiken_und_umstrittene_Aspekte

    [3] http://www.misereor.de/Patentierung.5511.0.html

  2. @Tobias: „Bei roter Gentechnik geht es ja nicht nur um Tiere sondern auch um Pharmapflanzen.“

    Mit transgenen Maispflanzen sind wir aber doch wieder bei grüner Gentechnik, oder? Ob die beim Wachsen einen Impfstoff bauen oder einen Maiskolbenbohrer-Abschreckduftstoff, ist doch egal: die Pflanze ist genmanipuliert, mit allen daraus resultieren Folgen für die Umwelt. Grüne Gentechnik, nicht rote.

    Und wieso kommt ein Bauer, der einmal Hybride angebaut hat, nur schwer wieder zu normalen Pflanzen zurück?

  3. Zu den Farben. Laut Wikipedia [1] kategorisieren die Farben die Gentechnik nach Anwendungsbereich. Also kann eine transgenen Maispflanze beides sein.

    Mit Hybride meinte ich um genau zu sein sterile Hybride. Mehr dazu auch in der Wikipedia. [2]

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Gentechnik#Techniken_nach_Anwendungsbereich

    [2] http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto#Terminator-Technologie_und_sterile_Hybride

  4. Da scheint es tatsächlich eine Überschneidung zwischen roter und grüner Gentechnik zu geben. Grüne Gentechnik wird beim heutigen Wikipedia-Eintrag definiert als „Anwendung gentechnischer Verfahren im Bereich der Züchtung von Pflanzen. Insbesondere bezeichnet der Begriff Verfahren zur Herstellung von gentechnisch veränderten Organismen, in deren Erbgut zusätzliche – in der Regel artfremde – Gene eingeschleust werden.“
    Die rote Gentechnik steht bei Wikipedia unter „roter Biotechnologie„. Dort wird unterschieden zwischen Therapie (In-Vitro/In-Vivo, also mit Zellen der zu therapierenden Organismen) und Entwicklung und Produktion von Medikamenten, was auch in Pflanzen stattfinden kann und dann m.M.n. eher zur grünen Gentechnik gehört.

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