Neulich, beim Einkaufen…

Es gibt ja eine Menge Horrorgeschichten zum Thema „Einkaufen mit Kindern“. Schreiende Bälger vor der Eistruhe, Crashtests mit Einkaufswagen, Warenschmuggel in der Pampers: die Liste der Katastrophenszenarien ist lang, und jedes Elternteil im Bekanntenkreis scheint den Einkauf mit Kindern zu hassen.

Das war für mich nie ein Problem, weil wir so einen schönen Fahrradanhänger haben. Der ersetzt wunderbar einen Einkaufswagen: erstens ist der Nachwuchs eventuell schon auf der Hinfahrt eingeschlafen — das schlafende Kind will man dann nicht in diese komischen klapprigen Einkaufswagen-Plastikklappsitze wuchten. Zweitens ist er so groß, dass Junior aus der Mitte seiner Sitzbank kein Regal zum Ausräumen erreichen kann. Und drittens ist die Bodenwanne stabil genug, dass man ohne Bedenken ganze Tonnen von Einkäufen einfach reinwerfen kann. Sehr praktisch, das Teil. Hat zwar ungefähr soviel gekostet wie ein Kleinwagen, aber dafür brauchen wir jetzt keinen Einkaufswagen-Euro mehr, das ist doch auch schonmal was.

Heute nachmittag zum Beispiel, da hat sich der Anhänger schon wieder bezahlt gemacht. Ich bin mit Junior in den Supermarkt gehetzt, in der einen Hand die Griffstange des Anhängers, in der anderen eine Einkaufsliste im Format DIN-A-3 und im Magen einen Mordshunger.

Mit Hunger einkaufen zu gehen wird ja immer gleich sehr teuer, aber das war im Endeffekt gar kein Problem: Sohnemann hat mich so sehr beschäftigt, dass ich zum Schluss gar nicht mehr ans Essen gedacht habe. Zunächst aber packte ich ihm grünen Tee und eine Tüte Äpfel in den Fußraum (gegen die konnte er ruhig ein wenig dagegentrampeln, die waren sowieso noch knallhart) und legte Salat und Tomaten oben auf das zurückgeklappte Verdeck, wo er nicht drankam. Alles in Butter. Zur Milchtheke: zwei Tetrapacks mit Milch in den Fußraum, Frischkäse und Quark dazu, Schafskäse… Schafskäse? Wo war der Schafskäse? Nachdem ich die komplette Milchtheke dreimal auf- und abgetigert war, fand ich den Schafskäse schließlich direkt hinter dem Anhänger. War ja klar.

Als ich die zwei Packungen Schafskäse in den Fußraum legen wollte, bot mir Junior strahlend was zu Trinken an. Der Knabe hatte mit den Füßen eine Milchtüte zu sich hochgehievt, den Verschluss des Tetrapacks aufgedreht und erstmal ordentlich was gebechert. OK, ein paar Tropfen waren auch auf dem Hemd gelandet, und auf der Hose, und auf dem Anschnallgurt, und auf der Sitzbank, und auf den Einkäufen, aber das war ja gar kein Problem: als erfahrener Vater hat man immer ein großes Stofftaschentuch dabei, mit dem man sowas notdürftig wegwischen kann. Die Milchpackungen kamen dann halt auch oben aufs Dach, wo er nicht drankommen konnte, genauso wie Frischkäse und Quark und die Palette Joghurt, die hätte ich fast vergessen. Kein Problem, alles kindersicher da oben, und Simon konnte unten weiter gegen die Plastikwanne bollern.

Wir kurvten dann weiter auf der Suche nach Kinderduschgel und sonstigen Seifen. Kinderduschgel war schnell gefunden und auch gar nicht so teuer wie befürchtet; ich kaufte gleich einen halben Liter in so einer großen Pumpflasche. Einen Moment liebäugelte ich noch mit der normalen Klick-auf-und-drück-Flasche daneben, weil sie mir kindersicherer schien, aber dann sah ich, dass das mit der Pumpflasche gar kein Problem war, weil man den Pumpkopf oben arretieren und festschrauben konnte. Fein. Ab in den Anhänger damit.

Bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass dieses Dauerpoltern aus Richtung des Anhängers zwar von Simons Füßen an der Anhängerwanne gestammt hatte, dass aber ein zusätzliches Einzelpoltern zwischendurch von den Einkäufen gekommen sein musste, die vom Anhängerverdeck auf die Fliesen gefallen waren. Alles kein Problem: die Joghurtbecher waren erstaunlich stabil, und Tomaten und Salat hatten vorher bestimmt auch schon ein paar Matschstellen. Leider konnte ich diese empfindlichen Einkäufe nicht ohne Weiteres zum Kleinen in den Anhänger packen, weil er sich sonst sofort ein Abendessen aus Tomatenjoghurt improvisiert hätte, aber das war kein Problem: das Verdeck ließ sich mit wenig Mühe fast ganz festruckeln, so dass da bestimmt nichts mehr runterfallen konnte. Wie gesagt: ein toller Anhänger.

Die Suche nach einem Nachfüllpack Flüssigseife blieb danach leider erfolglos, aber das war kein Problem, weil ich zwei Packungen normale Seife gefunden hatte: die ist sowieso eigentlich viel praktischer. Auch die Seife wanderte in den Anhänger.

Bei der Gelegenheit konnte ich dann gleich feststellen, dass die Pumpkopfsicherung für unser kleines Genie gar kein Problem darstellte und er schonmal damit begonnen hatte, die Milchspuren aus seiner Kleidung, dem Anhänger und den Einkäufen rauszuwaschen. Zugegeben: ohne Wasser gestaltete sich das etwas schwierig, aber offensichtlich wollte er diesen Mangel mit einer Extraportion Seife wieder wettmachen. Oder mit zwei oder drei Extraportionen. Das war aber alles kein Problem: mein Stofftaschentuch freute sich, dass es nach der Milch noch ein wenig Seife abkriegte, und der Hosentasche hat das seifengetränkte Taschentuch bestimmt auch nicht geschadet. Ausserdem kann sich die Milch, so kräftig eingeseift, garantiert nicht in den Sitzpolstern und den Gurten festsetzen, und morgen muss ich nur den Anhänger einmal kräftig mit dem Gartenschlauch abspritzen, dann ist das Zeug raus.

Alles kein Problem.

Aber während der Anhänger trocknet, werde ich zum Einkaufen vielleicht doch mal einen Einkaufswagen nehmen. Nur so als Notlösung zwischendurch, natürlich.

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2 Antworten zu “Neulich, beim Einkaufen…

  1. Du weißt doch: an Seifenblasen denken :) Schöne, bunte, schillernde Seifenblasen …

  2. Apropos: wo sind eigentlich Deine Texte hin?
    Ich wollte gerade Deine schönen, bunten, schillernden Seifenblasen verlinken auf ein gewisses Einkaufserlebnis mit ungezogenen Kindern, aber der Text war nicht mehr zu finden! Das ist schade…

    Und auf die Seite „Travel“ könntest Du doch eigentlich ein Frame mit der Guten Seemannschaft legen, oder?
    *pieks* *knuff*

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