Handy-Ladung aus dem Äther

Nokia plant ein Handy, das sich im Standby-Betrieb unbegrenzt selber wieder auflädt. Die meisten Nachrichtenmeldungen faselten da was von — uiuiui — Elektrosmog, „den WLAN-, Funk- und TV-Antennen besonders in urbanen Gegenden abstrahlen“.

Natürlich werden wir hier in der Zivilisation ständig in elektromagnetischer Strahlung gebadet, und natürlich kann man diesen Feldern Energie entziehen, um beispielsweise ein Handy im Standby-Modus zu betreiben. Das Dumme ist nur, dass dieser Elektrosmog ja einen Zweck hat, nämlich die Informationsübertragung, und dass das Anzapfen die Felder schwächt.

Den Informationsträger zu schwächen, nur um Informationen zu verarbeiten, das  ist egoistisch. Das ist ungefähr so, als würde ich sagen: „Och, es ist so teuer, immer neue Kerzen zu kaufen, um meine Korrespondenz lesen zu können — nehme ich doch einfach ein paar Briefe der Nachbarn, die geben auch schönes Licht, wenn man sie anzündet!“

Solange das ein einzelner Handy-Prototyp macht, ist das schnuppe. Aber Nokia hat einen Marktanteil von 40%, und wenn sowas einmal in Serie geht, dann müssen das auch die anderen Marken haben. Und nicht nur Handys: Uhren, Herzschrittmacher, Digitalthermometer …  Und jedes dieser Teile saugt ein wenig Energie aus dem Feld. Wenn erstmal genügend solcher Schmarotzer-Antennen im Umlauf sind, dann bedeutet das, dass die Reichweite von Fernsehsendern, Rundfunksendern, Mobilfunksendern und WLAN-Sendern sinkt. Damit kriegen wir dann Funklöcher, und zwar gerade in dicht besiedelten Gegenden, wo viele solcher Verbraucher im Feld sind. Telefonieren im Fußballstadion? Wird schwierig. Und das bedeutet, dass entweder neue Sender gebaut werden müssen oder dass die bestehenden Sender ihre Leistung erhöhen müssen. Und die Anwohner werden auf die Barrikaden gehen, und die Mobilfunkbetreiber werden sich bedanken.

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4 Antworten zu “Handy-Ladung aus dem Äther

  1. Ist das so? Mit dem Schwächen der Signale, meine ich. Also, Energieerhaltungssatz hin oder her, aber ist es nicht so, dass die Signale, die ihren Empfänger nicht erreichen, soweiso „nutzlos“ irgendwo verpuffen? Bzw., wenn diese Energie irgendeinen Effekt hat, dann doch eher einen, den man sowieso nicht haben will (also Krebsauslösen bei irgendeiner Körperzelle, auf die sie zufällig tifft oder so). Funkwellen breiten sich doch von der Sendeantenne linear aus. Und nur ein winziger Teil von ihnen trifft den tatsächlichen Empfänger. Der komplette Rest trifft irgendwelche anderen Hindernisse und wird da absorbiert. Ein „fremdes“ Signal, das das besagte Nokia Handy trifft, ist doch danach sowieso für die Kommunikationswelt verloren, egal, ob das Handy die Energie jetzt „aufsaugt“ und was nützliches damit tut oder nicht. Oder schlägt ein normales Handy ein fremdes Signal zurück wie ein PingPong-Schläger, so dass es vielleicht woanders vom „richtigen“ Empfänger aufgefangen wird? Ich glaube nicht.
    Natürlich besteht trotzdem die Gefahr, dass für so einen Blödsinn die Sendeleistung der Funkstationen erhöht werden müsst, so recht glaube ich nämlich nicht, dass wirklich soviel Energie aus den schon vorhandenen Funkwellen zu gewinnen ist, zumindest wenn man nicht direkt unter der Sendeanlage des WDR wohnt oder so.

  2. Ich muss zugeben, dass ich das nicht groß durchgerechnet habe, sondern einfach davon ausgegangen bin, dass diese Technik, wenn sie einmal marktreif ist, überall eingebaut wird, wo es geht. Und ich gehe davon aus, dass sich das dann auch in einer Schwächung der Feldstärke auswirkt. Früher haben die Leute auf dem Land in der Nähe von Sendeanlagen ihre Gartenhäuser beleuchtet, indem sie einen Draht zwischen zwei Bäumen gespannt und eine Glühbirne zwischen Draht und Erde geschaltet haben. Das mochten die Sender aber nicht so, weil es halt Energie kostet.

    Natürlich wird jede Menge Strahlung von allen möglichen natürlichen und künstlichen Antennen gefangen, und der größte Teil der Strahlung geht sowieso ins Leere. Dafür baut man ja Antennen: damit man auch aus schwachen Feldern noch was rauslesen kann.

    Aber diese Spezialantennen saugen, WIMRE, jeweils ungefähr 50 Milliwatt aus einem weiten Strahlungsspektrum. Wenn Du viele davon auf einem Haufen hast, dann gibt es dahinter halt einen Funkschatten. Aber Du hast Recht: vermutlich sollte ich das einfach mal durchrechnen.

  3. Schlichtweg Unwissenheit , was da verbreitet wird. Ein FM, AM KW Funksender strahlt eine gewisse Leistung ab und die wird von einem geeigneten Empfänger empfangen. Wieviele Empänger das sind ist egal. Ob 1 oder 100000 jeder bekommt die maximale Sendeleistung des Senders. Die ist allerdings von der Güte des Empfängers und der Entfernung zum Sender abhängig.Ander ist das bei Breitbbandverbindungen bzw. Gsm Handyfunk . Da teilt sich die Engergie auf die Empfänger auf. Je mehr Empfänger desto geringer der Empfang. Also mit den Schmarotzern wird da nix abgeschwächt !!!!!
    Grundlagen der Elektrotechnik studieren !

    • Wenn ich Sie richtig verstehe, Herr FEWO (ich nehme an, Sie sind ein Mann …), dann ist es für die Feldstärke ohne Belang, ob ich ein einfaches Stück Draht ins Feld halte oder einen Leiter, also eine Antenne, in der ein Strom induziert wird? Das heißt, wenn ich ein Dutzend Antennen hintereinander in einer Linie zum Sender aufstelle, dann sind die Einbußen, die die hinterste gegenüber der vordersten verzeichnet, nur der Entfernung geschuldet und nicht den elf Antennen vor ihr?
      Ich merke, ich muss nochmal meine alten Physikbücher rauskramen.

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