Archiv der Kategorie: Computer

Ich verliere den Glauben an den Rechtsstaat

Tja, jetzt ist es wohl durch, das Internet-Zensur–und-Überwachungsgesetz. Die Koalition hat ziemlich geschlossen dafür gestimmt, die Opposition ziemlich geschlossen dagegen. Damit sind die beiden großen Parteien für mich unten durch.

Interessant fand ich in diesem Zusammenhang das Geständnis der Regierung, dass sie eigentlich gar keine Ahnung von der Materie hat und sich weder mit den Zahlen zu Kinderpornografie noch mit den Sperrlisten anderer Länder groß befasst hat — dazu ein gehässiger Blogeintrag bei der Verlorenen Generation.

Jetzt ist nur die Frage, warum so viele Abgeordnete für diesen gefährlichen Unfug gestimmt haben. Wurden die alle so schlecht informiert? Haben sie sich nicht getraut dagegen zu stimmen, weil sie sonst mit Kindervergewaltigern in einen Topf geworfen werden könnten? Wollen sie vielleicht unter der Hand tatsächlich den totalen Überwachungsstaat? Oder haben die alle einen Alien-Parasiten im Hirn, der sie fernsteuert?

Neulich, im Spam-Ordner…

„Fur 2 Wochen bin ich auf 10 Pfund abgemagert!“

Nee, is klar. Sogar als Skelett wiegt man mehr als zehn Pfund. Und ich frage mich, was nach den zwei Wochen passieren soll. Kommt man dann wieder auf ein annähernd normales Gewicht?
Da fällt mir diese Killer-Diät ein: „Dieses Mittel steigert ihren Stoffwechsel extrem, Sie kriegen über 42 Grad Fieber, die Kalorien schmelzen nur so dahin — nach ein paar Tagen setzt dann sehr schnell der Gewichtsverlust ein…“

Sudoku

In den Osterferien bin ich endlich dazu gekommen, mein kleines Sudoku-Lösungsprogramm zu schreiben, und es funktioniert schon in der jetzigen Version ausgezeichnet. Bisher tut es nichts weiter, als für jedes Kästchen im Sudoku eine Liste der noch möglichen Zahlen zu verwalten: jedes Mal, wenn eine neue Zahl irgendwo in ein Kästchen eingetragen wird, wird diese Zahl in allen Kästchen derselben Zeile, derselben Spalte und desselben Blocks aus der Liste entfernt. Das ist das Hauptprinzip.

Wie hilft mir diese einfache Listentabelle* die Lösungszahlen zu finden?

Naja: zum Einen kann ich alle Kästchen durchlaufen und mir ihre Listen anschauen. Wenn ich eine Liste finde, die nur noch eine Zahl enthält, dann ist in diesem Kästchen auch nur noch diese eine Zahl möglich, weil alle anderen Lösungen schon in andere Kästchen in Zeile, Spalte oder Block eingetragen worden sind. Diesen Treffer trage ich ins Kästchen ein (und aus den Listen drumherum aus), und dann kann ich schauen, ob ich noch weitere eindeutige Listen finde.
Was mache ich, wenn es irgendwann keine eindeutigen Treffer mehr gibt, weil sämtliche Listen mehrere mögliche Lösungszahlen enthalten? Dann kommt die zweite Methode ins Spiel: ich gehe alle Zeilen, Spalten und Blöcke durch und schaue, ob hier (in Zeile/Spalte/Block) eine Zahl in nur einer Liste vorkommt. Das entsprechende Kästchen ist dann die einzige Möglichkeit, diese Zahl in dieser Zeile ( oder Spalte oder Block) legal unterzubringen. Treffer eintragen, Trefferzahl aus Anliegerlisten streichen, weiterschauen.

Wie gesagt: das funktioniert ausgezeichnet. Bisher habe ich noch kein Sudoku gefunden, was ein Skript mit diesen beiden kleinen Funktionen nicht knacken konnte. Es funktioniert sogar so ausgezeichnet, dass ich hochgradig irritiert bin, weil ich beim Von-Hand-Lösen häufig noch einen weiteren Algorithmus verwenden muss, um Mehrdeutigkeiten aufzulösen. Bedeutet das, dass ich bisher beim Testen nur irgendwelche Popel-Sudokus gefunden habe und seither einfach keine richtig kniffligen mehr in der Zeitung stehen, oder bedeutet das, dass ich beim Von-Hand-Lösen dauernd Sachen übersehe und Flüchtigkeitsfehler mache?

Grmpf.
Ich gehe bis auf Weiteres erstmal davon aus, dass Sudokus seit den Osterferien einfacher geworden sind.
;-)

Blöde Smilies in Foren

Manchmal sollte man diese Smily-Bildchen bei Foren standardmäßig ausgeschaltet lassen — zum Beispiel bei Programmierforen:

ofstream_smily

Supersichere Internetfilter

27 Sekunden, Frau von der Leyen — 27 Sekunden!

Das ist doch alles nur, Verzeihung, eine große Verarschung. Man schießt mit der großen Zensur-Kanone auf das Internet und beklagt wortreich die Opfer, die von der Normalbevölkerung nunmal gebracht werden müssen, während die Kinderporno-Verteiler weiter fröhlich Festplatten rumschicken. Vom Standpunkt des Kinderschutzes albern, vom Standpunkt des Eingriffs in die Informationsfreiheit gefährlich.

(über Herrn Vetter)

Organisierte Kriminalität = Terror?

Laut Heise-Newsticker möchte BKA-Chef Ziercke den Bundestrojaner jetzt auch gegen Computerkriminalität und organisierte Kriminalität einsetzen. Das ging schnell. Ich hatte ja mit mir selber gewettet, dass es kein Jahr dauert, bis die ersten Forderungen laut werden, auch die Rechner von Mafiosi / Crackern / Kinderpornografen / Hooligans / Steuerhinterziehern / Ladendieben / Langhaarigen / Bundestagsabgeordneten mit Überwachungssoftware verwanzen zu dürfen. Auch für die Leute mit den Schlapphüten und ihre gesetzlichen Befugnisse gilt: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Daher war es ja zu erwarten, dass die ausnahmsweise gelegentlich unter Umständen im Extremfall und auch ganz bestimmt nur von einem Richter genehmigteQuellen-TKÜ“ irgendwann mal nicht nur gegen Terroristen und Staatsfeinde eingesetzt werden soll, sondern auch einfach so gegen gewöhnliche Nullachfuffzehn-Straftäter (oder auch nur -verdächtige). Die Richtung ist klar — aber dass man sich so eilig auf den Weg machen würde, hätte ich denn doch nicht gedacht. Vermutlich fürchtet man, dass das Verfassungsgericht einem das neue Spielzeug bald schon wegnimmt, und möchte ganz schnell noch was damit anstellen.

Immerhin hat Ziercke gewartet, bis Köhlers Unterschrift unter dem Gesetz trocken war, bevor er anfing, seine Befugnisse aufzubohren. Trotzdem: Chapeau, Herr Ziercke, das ging schnell!

Darling, why don’t you just look at the std::map?

Ich hasse es, STL-Container debuggen zu müssen.

In Microsofts Visual Studio kann man sich ja im Debugger recht schön Element für Element den Inhalt einer std::map, eines std::sets oder eines std::vectors anzeigen lassen. Dummerweise kenne ich keine einfache Möglichkeit, sich die Speicherstelle anzeigen zu lassen, an der ein Element oder die size dieses Containers liegt, um auf diese Speicherstelle einen Breakpoint zu setzen, der mich alarmiert, wenn sich da was ändert.

Beispiel: ich habe eine std::map von Daten-Varianten, die ihrerseits eine std::map verschiedenen Ressourcen enthalten, die ihrerseits eine std::map von Kapazitätsobjekten dieser Ressourcen enhalten, die ihrerseits eine std::map von den eigentlichen Kapazitätswerten enthalten. Irgendwo, irgendwie, irgendwann gehen mir manche dieser std::maps mit Kapazitätswerten kaputt. Jetzt würde ich gerne herausfinden, an welcher Stelle im Programm das passiert, und dazu einen Daten-Haltepunkt auf der size dieser std::map anlegen. Das wäre schön praktisch: ich lasse das Programm laufen, und irgendwann, *blink*, meldet sich der Debugger, weil die Größe meiner std::map plötzlich bei drölfzig Milliarden liegt statt bei, sagen wir, 42.
Guter Plan.

Um sich den Speicherort ausgeben zu lassen, an dem man diesen Breakpoint setzen kann, muss man aber solche Verrenkungen unternehmen wie

&(m_pGanttViewCtrl->m_varMan
->m_variants._Myhead->_Left->_Myval.second
->m_pRessourcen->m_resMap._Myhead->_Right->_Myval.second
->m_pResKapazitaeten->m_capacities._Mysize)

womit der Debugger das erste Element der m_variants-map nimmt, dort dem Ressourcenpointer in seine m_resMap folgt, dort (in diesem Beispiel) das letzte Ressourcen-Element rausgreift, von dem er sich den Kapazitätenpointer und dessen m_capacities-map geben lässt, in der er dann _Mysize findet, wovon er sich schlussendlich die Speicherstelle ausgeben lässt.

Heute nacht habe ich mich in verschachtelten STL-Containern verlaufen, und alle waren knallbunt und riesengroß und enthielten jeweils noch ein ganzes Containerschiff voller Container, und die waren auch alle knallbunt und riesengroß und enthielten jeweils noch ein ganzes Containerschiff voller Container, und so weiter, und alle sollten sofort entladen werden, und ich musste doch noch was finden, aber ich wusste nicht mehr, was, und die Zeit drängte so und ich konnte es nicht finden, ich wusste ja nicht, wo es war, und dann — dann klingelte der Wecker.

Fantastic Contraption

He! Wieso funktioniert Fantastic Contraption nicht mehr? Da wollte ich nach dem Sylvester-Urlaub schnell noch ein paar Prahl-Protz-Links reinstellen mit tollen Lösungen dieser abgefahrenen Aufgaben, und jetzt tut’s das gerade nicht mehr!

Für diejenigen, die das noch nicht kennen und für die die Links auch nicht funktionieren: Fantastic Contraption ist sowas ähnliches wie Incredible Machine, nur als Flash-Spiel im Netz und noch toller. Das Material ist einfacher, aber physikalisch sauberer, die Aufgaben sind universeller lösbar, man kann sich da richtig schön austoben. Wenn man auf YouTube nach „Fantastic Contraption“ sucht, dann findet man auch ein paar schöne Lösungen des Kohlinators. Ansehen und staunen!

Edit: komisch, auf dem anderen Rechner tuts noch. Oder wieder. Morgen man in Ruhe testen, jetzt Bett. Nacht.

Alles eine Frage der Definition

Ich bin gerade in den Tiefen des aktuellen Codes auf ein verschüttetes typedef gestoßen, mit dem eine zentrale und anderswo oft benutzte Klasse auf eine andere zentrale und anderswo oft benutzte Klasse umdefiniert wurde. Das ist ungefähr so, als würde man bei einem Taschenrechner ab Werk die Sinus-Taste auf den Cosinus umleiten: solange man Stochastik macht, fällt das keinem Schwein auf – aber jeder, der sowas in der Trigonomie-Klausur in die Finger kriegt, flucht wie ein Gebrauchtkamelhändler, sobald ihm das auffällt.

War da gerade „Wir treiben unsere Kollegen in den Wahnsinn“-Tag?

Wii gehts? — Och, Muskelkater, aber sonst…

Bitte entschuldigen Sie das Wii-Wortspiel im Titel, aber seit dieses Gerät bei uns im Wohnzimmer steht, bin ich ein wenig durch den Wind vor Entzücken — und habe Muskelkater wii schon lange nicht mehr.
Die Spiele für die Wii sind ja Kinderkram im Vergleich zu denen für „große“ Konsolen, aber es macht trotzdem einen Heidenspaß, wenn man vor der Beamerwand rumhampelt wie ein Idiot. :-)

Da sieht man mal wieder, dass man nicht immer noch mehr Rechenpower und noch realistischere Grafik braucht, um Computerspiele zu revolutionieren.

Obfuscated C++

Manchmal kriege ich einen Knoten im Kopf, wenn ich mich durch fremden Code wühle. Preisfrage:

Wenn

int a = 17, b = 42;

wie sind dann nach

a ^= b ^= a ^= b;

die Werte für a und b?

Kann ja sein, dass solche Spielereien altbekannt sind; ich kannte sie noch nicht. Und übersichtlicher wird der Code dadurch auch nicht, oder?

Kleine Blog-Umbauarbeiten

Gerade habe ich mit den Widgets rumgespielt, die WordPress anbietet. Besonders die Stichwort-Wolke hat mir gefallen. Dummerweise ist jetzt der rechte Rand plötzlich doppelt so lang wie vorher.

Mal sehen, ob ich dabei bleibe.

Was kommt nach CAPTCHAs?

Do U Yiyip 2?

Do U Yiyip 2?

Wir alle kennen CAPTCHAs: diese kleinen Bildchen, auf denen besoffene Buchstaben rumtorkeln, oft vor wirrem Krakel-Hintergrund. Ursprünglich eingeführt wurden sie, weil erstens Kommentar-Spam überhand nahm (das ist, wenn irgendwelche Foren automatisiert mit Links auf Pornoseiten, zu Casinos oder wohin auch immer zugemüllt werden) und zweitens Spam-Bots gerne die die Gratis-Mailaccounts von Google-Mail oder von Yahoo-Mail benutzen, um die Mailboxen der ganzen Welt zuzumüllen. Und so ein kleines Bildchen mit besoffenen Buchstaben ist für Menschen noch recht gut erkennbar, Maschinen haben aber größere Probleme.

Wo zum Teufel lebt das Dazongs-Gnu?

Wo zum Teufel lebt das Dazongs-Gnu?

Als mir Captchas das erste Mal begegnet sind, habe ich, daran kann ich mich erinnern, die Idee zuerst toll gefunden. Dann ist mir (worauf man nicht alles achtet… Hallo, Reste des LN-NV-Teams!) die fehlende Barrierefreiheit aufgefallen: alle Blinden sind schonmal gekniffen. Dann habe ich (Hallo, ehemalige CLK-Mitarbeiter!) gesehen, dass dieser Test mit neuronalen Netzen recht einfach auszuhebeln sein müsste, besonders, wenn man das Programm zu Erzeugung dieser Dinger zur Verfügung hat: links werden automatisch Tausende von Captchas erzeugt, die rechts ein Backpropagation-Netz trainieren.

Diese automatischen Captcha-Killer gibt es mittlerweile schon lange, und sie haben recht gute Trefferquoten. Wenn die Spambots also 100 Anträge auf Gratis-Mailaccounts gestellt haben, dann hatten sie mit diesen Captcha-Lösungsalgorithmen in sowas wie 90 Prozent der Fälle Erfolg. Damit hat natürlich jeder Gratismailanbieter ein Problem, und so setzte ein Wettrüsten von Captcha-Erstellern und Captcha-Lösern ein.

Das ist alles nicht so richtig überraschend.

Worauf ich Geek natürlich nicht gekommen bin, ist, dass man viel billiger, viel sicherer und eigentlich unkonterbar Menschen einsetzen kann, um Captchas zu lösen. Man füllt also automatisch Tausenden von Forumskommentaren oder Mailaccount-Anträgen aus, und wenn es ans Abschicken der Kommentare oder Anträge geht, zeigt man die Captcha-Bildchen einem Menschen und sagt: „Ach übrigens, was steht eigentlich hier?“ Als ich davon las, dass es Pornoseiten gibt, bei denen man Nacktbilder immer nur nach Eingabe eines Captchas zu sehen kriegt (das natürlich im Original von Google-Mail, Yahoo etc. kommt), habe ich erstmal laut gelacht.

Aber als ich gelesen habe, dass es in Indien mittlerweile einen ganzen Industriezweig gibt, der Captchas en gros löst, für 2 Dollar pro 1000 Stück, da habe ich nur noch gestaunt. Für solche Beträge macht sich doch niemand mehr die Mühe, sein Neuronales Netz auf dem Laufenden zu halten.

Jetzt ist doch eigentlich der Punkt erreicht,  wo Captchas tot sind, oder? Denn für Menschen muss sowas ja immer lösbar sein, sonst hat es seinen Sinn verfehlt. Also bleibt eigentlich nur noch, die Anträge für Gratismailaccounts per Papierpost zu beantworten, was zwar um einige Größenordnungen teurer ist, die automatische Massen-Account-Erstellung aber auch um ein paar Größenordnungen ausbremsen dürfte.

Und für Forenkommentare hat es sich anscheinend vorläufig bewährt, auf der Kommentarschreibseite die Mailadresse nicht nur einmal anzufordern, sondern ein zweites Feld zu verstecken, wo man seine Mailadresse angeben soll. Wenn man da ein Bild drüberlegt oder das anderweitig unsichtbar macht, dann füllt ein Mensch das nie aus, aber der Spambot macht das fröhlich und ist darüber erkennbar.

Zumindest funktioniert das bis zur nächsten Drehung der Rüstungsspirale…

„Eine Zensur findet nicht statt.“

Meine Güte, was kloppen jetzt alle auf Michael Vesper rum! Dabei hat der Mann doch nur gesagt, was eigentlich alle wissen (sollten), nämlich, dass das Internet auch in Deutschland lange nicht so frei ist, wie man das gern hätte. Und wenn jetzt irgendwelche merkbefreiten Fuzzies (*hust*Peter Danckert*hust*) sagen: „Aber das kann man doch gar nicht vergleichen! In Deutschland werden doch nur Seiten gesperrt, die gegen die Gesetze verstoßen!“ — ja, glauben die denn, dass das in China anders ist? Die sperren ja auch nicht nach Zufall einfach mal die Seiten des brasilianischen Orchideenzüchterverbandes, die halten sich nur brav an ihre Gesetze! Und wenn manche Meinungen da verboten sind, dann sind solche Seiten halt nicht zu finden, ganz einfach. Das ist grundsätzlich nicht anders als türkeikritische Seiten in der Türkei, islamkritische Seiten in islamischen Ländern, den Holocaust leugnende Seiten in NRW oder regimekritischen Seiten in Regimes.

OK, zugegeben: wenn hier bekannt wird, dass ein Nazi rechte Seiten auf einem ausländischen Server geparkt hat, dann werden „nur“ diese Seiten gesperrt — immerhin verschwindet der Kerl nicht für Jahre irgendwo in einem Gefängnis oder wird totgeprügelt. Und in Deutschland darf man auch frei darüber diskutieren, worüber man alles gerne frei diskutieren können möchte und darf die entsprechenden Gesetze in Frage stellen. Aber das bedeutet nicht, dass das Internet in Deutschland generell frei und unzensiert zugänglich wäre. Irgendwas gibt es immer, was den Mächtigen nicht gefällt, und irgendwas wird dann halt verboten.

Neues von der Spam-Front

Es war ja nur eine Frage der Zeit, und es hat mich auch gewundert, dass es so lange gedauert hat, aber gerade hatte ich die erste Mail in meinem Spam-Ordner, deren Betreffzeile gleich mit der Mailadresse mitgeerntet worden war.

Englischsprachige Betreffzeilen sind bei mir in 99% der Fälle Spam, und die deutschen konnte man bisher recht gut anhand der Absender aussortieren. Aber der Kontrollblick in den Spam-Ordner wird nicht gerade einfacher, wenn die Mails nicht mehr „V1agra!!!“ oder „YOU ARE A WINNER !!!!1!11!“ oder „Corinne meinte, dies ist was fuer dich“ heißen, sondern „Kino heute abend?“ oder „Re: Tut mir leid…“. Das wird sogar noch schwieriger, wenn gerade dieser Absender vor nicht so langer Zeit tatsächlich eine solche Mail rumgeschickt hatte. Andererseits weiß man dann, dass irgendwo in der Verteilergruppe ein Rechner infiziert war und den kompletten Inhalt seines Postfaches nach Rumänien exportiert hat.

Ich prophezeie, dass demnächst die ersten Spams rumgehen, die aus einer alten echten „Ey, kuck mal, was ich im Internet gefunden habe!“-Mail bestehen, bei der lediglich die Links auf irgendwelche anderen Seiten umgebogen worden sind. Da schickt dann Kumpel Kalle zwei identische Mails hintereinander rum: in der ersten sind Links auf ein paar „Pudel fällt besoffen um“-Filme und in der zweiten, ein paar Tage oder Wochen später, sind stattdessen Links auf virenverseuchte Pornoseiten. Das wird dann erst so richtig lustig.

Und analog dazu mit Anhängen: wenn mit meiner Absenderadresse eine wortkarge Mail namens „Neue Version“ verschickt wird, die eine gezippte Exe im Anhang hat, dann dürften einige Leute die schon ganz automatisch öffnen, entpacken und anklicken…

Grammatik-Nazi meinte, dies ist was fuer dich

Die Amis bezeichnen Leute wie mich ja als „Grammar-Nazi“, also als Grammatik-Nazi, auf Deutsch höre ich normalerweise einfach nur ein geseufztes „Klugscheißer…“.

Gerade musste ich über mich selber schmunzeln: Ich überflog meinen Spam-Ordner („Viagra blabla Nebenjob blabla Viagra blabla Lotterie blabla Viagra blabla Aktien-Tip blabla“), und mein Blick blieb automatisch hängen an der Betreffzeile „Corinne meinte, dies ist was fuer dich“.

„Dies ist“?
Mindestens „dies sei was“ für mich, aber vermutlich eher „dies wäre„, verdammt nochmal!

Und der Witz ist, dass mir sowas tatsächlich oft einfach ins Auge springt. Vielleicht sollte ich Lektor werden.

Wahrscheinlich würde ich noch an der Himmelspforte einen Rausschmiss riskieren, weil ich Petrus unbedingt auf einen Rechtschreibfelher im Passierschein aufmerksam machen muss…

Liebe Firma Microsoft, lieber Bill Gates,

mich nerven Produktschlüssel. Ich kann ja verstehen, dass Du Dich davor schützen willst, dass Deine schöne Software einfach so von aller Welt kopiert wird, ich kann mich auch dazu durchringen, irgendwelche alphanumerischen Zeichenfolgen von zwei Dutzend Zeichen Länge abzutippen, und ich halte Dir immerhin zu Gute, dass dieser Produktschlüssel nicht auf der CD selber aufgedruckt ist, wie ich es anderswo schon erlebt habe (toller Witz, das…). Vielleicht bin ich auch momentan einfach nur erkältet und nörgelig, aber trotzdem:

Können wir uns darauf einigen, dass Produktschlüssel, wenn sie schon sein müssen,

  • FETT,
  • in einer Serifen-Schriftart und
  • in einer Schriftgröße, die von Normalsichtigen auch auf, sagen wir, zwei Meter Entfernung noch lesbar ist,

auf diese neckischen Aufkleber gedruckt werden?

Das hätte mir heute morgen das Leben etwas erleichtert.

Danke.

Code-Kommentare

Dinge, die man in Programmcode eigentlich lieber nicht lesen möchte: Weiterlesen

Dichten und Debuggen und der Musenkuss

Ich hasse Programmieren.

Nein, eigentlich ja nicht. Aber manchmal halt schon. Heute zum Beispiel. Und heute war dummerweise ich schuld…

Das letzte Jahr habe ich mehr oder weniger damit zugebracht, fremden Code kennen zu lernen und zu debuggen. Irgendein Kollege kommt rein, mit mehr oder weniger roten Flecken im Gesicht, und sagt sowas wie: „Sag mal, Christian, Du bist doch jetzt derjenige, der für XYZ zuständig ist, oder?“
In dem Moment kriege ich immer schon Schweißausbrüche, denn ich weiß genau: die nächsten Stunden oder Tage darf ich mich wieder fluchend durch zigtausend Zeilen Programmcode wühlen, der unkommentiert und, hmmm, sonderbar strukturiert ist, und nach irgendwelchen obskuren Bugs suchen. Zwei Tage später bin ich zwar völlig aus meinem eigentlichen Projekt raus, aber immerhin ist der Bug behoben, ich habe das Programm mit seinen fünfzehn Millionen Optionen, Sondereinstellungen und Wahlmöglichkeiten besser kennengelernt, der Kunde ist glücklich und ein paar hundert Zeilen Code sind nebenbei wieder sauberer geworden. Das entschädigt ein wenig für die grauen Haare.

Nein, fremden Code debuggen zu müssen ist echt schlimm. So frustrierend! Da liest man Code, da testet man, da wälzt man Dokumentationen und googelt sich die Finger wund — nichts funktioniert!

Das einzige, was schlimmer ist, als stundenlang erfolglos fremden Code zu debuggen, ist, stundenlang erfolglos eigenen Code zu debuggen. Da kommt man sich noch viel blöder vor, und man kann nicht mal auf jemand anders schimpfen…

Debuggen ist sowieso der ungeliebte Teil des Programmierens, und auch neuen Code zu schreiben ist gelegentlich einfach mühsam und nervig. Aber manchmal… manchmal fluppt es halt einfach: der Algorithmus stimmt, das Programm kompiliert im ersten Versuch, und es läuft auch gleich fehlerfrei durch. Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Büro.

Hmmnja.

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Dichten? Einfach übergangslos umschwenken? OK:

Beim Dichten oder Schreiben ist es ähnlich: manchmal kriegt man ums Verrecken keinen gerade Satz auf das Papier, und den einen oder anderen Absatz streicht man fünfmal durch, bevor man annähernd zufrieden ist — und manchmal fängt man an und schreibt eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht glatt und fehlerfrei runter. Zack, Unterschrift, fertig! Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Haus.

Irgendein schlauer Mensch hat mal sowas gesagt wie: „Es gibt Tage, da scheint einem alles zu gelingen. Keine Angst: das geht vorüber.“
Ja, das geht vorüber, und allzu oft passiert es auch sowieso nicht. Aber wenn einem sowas mal wieder passiert — hach…

Was für ein Genuss,
so ein Musenkuss!

„Ich habe ja nichts zu verbergen“

Wenn ich einen Euro hätte für jedes Mal, wenn jemand beim Thema Überwachung so argumentiert hat, dann könnte ich davon lecker essen gehen.
Grmpf!
Wie naiv kann man sein? „Och, ich weiß gar nicht, was die Aufregung soll! Die wollen doch nur die Bösen fangen!“

Aber jetzt kann ich das endlich elegant kontern, denn Johnny Haeusler von Spreeblick hat dazu eine schöne Parabel gebastelt:

Nehmen wir an, Überfälle und Straftaten in Privatwohnungen hätten zugenommen, auch wurde festgestellt, dass die Zusammentreffen vieler krimineller Vereinigungen in privaten Wohnungen stattfinden. Zum Schutz der Bürger und des Staates übernimmt eine Sondereinheit der Polizei die Sicherung privater Wohnhäuser. Wer seine Wohnung verlässt, hinterlegt seinen Haustürschlüssel beim Pförtner – einem vertrauenswürdigen und ausgebildeten Beamten, der dem bestehenden Recht sowie vielen zusätzlichen Verhaltensregeln seiner Position unterliegt. Es kommt vielleicht zu einzelnen, routinehaften Stippvisiten, doch es gibt keinen Grund, dem Mann nicht zu vertrauen. Man hat schließlich nichts zu verbergen.

Würde unsere Wohnung in einem solchen Szenario noch so aussehen, wie sie derzeit aussieht?