Archiv der Kategorie: Gedicht

Teekesselchen

Das heißt: bin davon angetan,
den hab ich also gern getan,
hab, als ich’s tat, mir nichts getan,
bin aber tot.

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Nochmal Herbst

Auf dem Weg von Nienberge nach Münster
wird im Winter es furchtbar früh finster.
Durch den Gegenverkehr
sah den Weg ich nicht mehr
und flog mitsamt Rad in den Ginster.

(Naja, fast.)

Herbstsonett

Mit ein paar Details bin ich noch unzufrieden, aber egal — hier kommt der Herbst:

Vor meinem Fenster fliehen schon die Stare.
Der Deckendruck treibt mich hinaus zum Teich.
Dort raufen rauschend Weiden ihre Haare,
und mich umstöbern Blätter, Schuppen gleich.

Die Entenstaffel startet in Kolonne,
dreht quakend eine Runde und fliegt fort.
In Afrika brennt sicher grad die Sonne,
kein Blättermoder und kein Nebel dort…

Die Vögel, die im Süden Wärme tanken,
beneidend, steh ich eine Weile hier.
Der ferne Stadtlärm weckt mich aus Gedanken,
erinnert an den Unterschied zum Tier,
an Rechnungen, Versicherungen, Banken —
und seufzend sitz ich wieder vor’m Papier.

Reim-Reparaturen

Heute morgen ging mir stundenlang ein Gedicht durch den Kopf. Keine Ahnung, wie das Buch hieß, aus dem ich es hatte; es hatte mich nicht so beeindruckt — abgesehen von diesem Gedicht, das ich sofort auswendig lernen musste. Aus dem Gedächtnis zitiert und ohne jede Garantie auf Korrektheit:

Weiße Raben kreisen leise

über dem Kaninchengrab,

schürfen winterklare Kreise

in den wiesenfellbewachsnen,

blütenstauberwacherwachsnen,

bienenstockgelbflugdurchwachsnen

grünsten Himmel, den’s je gab

Tolle Bilder, nicht? OK, Albinoraben sind vielleicht etwas affektiert, schwarze lenkten nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich, aber allein schon das leise Kreisen über dem Kaninchengrab… Und die winterklare(n) Kreise rufen gleich eine Art kühles, scharfes Licht hervor, in dem diese Vögel lautlos ihre Runden drehen. Hach…

Dummerweise kommen dann noch ein paar bemüht-poetische Zeilen hinterhergedackelt, die wiesenfellbewachsnen / blütenstauberwacherwachsnen /bienenstockgelbflugdurchwachsnen /grünsten, und das tötet die Atmosphäre schneller, als man „Pikachu!“ sagen kann. Warum lässt der Autor das nicht einfach weg? Warum diese absurde Adjektiv-Orgie?

Antwort: Hebungen. Wir haben die Zeilen Weiße Raben kreisen leise / über dem Kaninchengrab, / schürfen winterklare Kreise — und jetzt brauchen wir sowas wie „in den […] Himmel […] <Reim auf -ab>“. Nur halt mit was Richtigem statt <Reim auf -ab>. Obwohl:

Weiße Raben kreisen leise

über dem Kaninchengrab,

schürfen winterklare Kreise

in den Himmel, Reim auf „-ab“

— das hat auch was. Nicht? Echt nicht? Na gut, vielleicht nicht. Aber was für einen Reim soll man denn dann stattdessen nehmen? Der Original-Autor hat den Reim „gab“ gewählt, also den Himmel definiert als „den so-und-so-artigsten Himmel, den’s je gab“. Das ist grundsätzlich ja nicht schlecht, man könnte ja den Winterhimmel einfach mal zum blausten Himmel, den’s je gab, erklären. Dummerweise hätte aber

schürfen winterklare Kreise

in den blausten Himmel, den’s je gab

zwei Silben zuviel in der letzten Zeile, und in den Himmel, den’s je gab ist leider grammatikalisch und inhaltlich Quatsch, obwohl es von den Hebungen her gerade so schön passt. Ärgerlich, das. Was tun? Das in den und den wie-auch-immer-gearteten Himmel zu trennen mit Adjektiv-Zeilen, die wirken, als hätte jemand im LSD-Rausch zuviel Teletubbies gekuckt, das kann ja auch keine Lösung sein!

Grrrr.

Weiße Raben kreisen leise

über dem Kaninchengrab,

schürfen winterklare Kreise —

stürzen plötzlich kreischend ab.

Hätte was.
Nee, lieber doch was Stilleres.

Man merkt: da muss ich mal eine Nacht drüber schlafen.

Ohrwurm: „La-Le-Lu (nur der Mann im Mond schaut zu…)“