Archiv der Kategorie: Schwadronage

„Tür zu?“

Auf einem Paar meiner Schlüssel steht geprägt: „Tür zu?„.

Was soll das? „Ja, natürlich ist die Tür zu, sonst müsste ich Dich nicht aus der Tasche holen, Du blödes Stück Blech!“

Was anderes wäre es, wenn die Schlüssel sich automatisch meldeten, sobald ich das Haus verlasse, und mich dann daran erinnerten, die Tür abzuschließen. Aber so…

Bitte keinen Jöcker mehr!

Ja, ich weiß: der Mann macht unglaublich viel Musik für Kinder. Und er kommt aus Münster und hat hier studiert, das gibt nochmal einen Bonus. Und er ist preisgekrönt und enorm erfolgreich mit dem, was er macht. Trotzdem:

Ich kann Detlev Jöcker nicht mehr hören!

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Organisierte Kriminalität = Terror?

Laut Heise-Newsticker möchte BKA-Chef Ziercke den Bundestrojaner jetzt auch gegen Computerkriminalität und organisierte Kriminalität einsetzen. Das ging schnell. Ich hatte ja mit mir selber gewettet, dass es kein Jahr dauert, bis die ersten Forderungen laut werden, auch die Rechner von Mafiosi / Crackern / Kinderpornografen / Hooligans / Steuerhinterziehern / Ladendieben / Langhaarigen / Bundestagsabgeordneten mit Überwachungssoftware verwanzen zu dürfen. Auch für die Leute mit den Schlapphüten und ihre gesetzlichen Befugnisse gilt: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Daher war es ja zu erwarten, dass die ausnahmsweise gelegentlich unter Umständen im Extremfall und auch ganz bestimmt nur von einem Richter genehmigteQuellen-TKÜ“ irgendwann mal nicht nur gegen Terroristen und Staatsfeinde eingesetzt werden soll, sondern auch einfach so gegen gewöhnliche Nullachfuffzehn-Straftäter (oder auch nur -verdächtige). Die Richtung ist klar — aber dass man sich so eilig auf den Weg machen würde, hätte ich denn doch nicht gedacht. Vermutlich fürchtet man, dass das Verfassungsgericht einem das neue Spielzeug bald schon wegnimmt, und möchte ganz schnell noch was damit anstellen.

Immerhin hat Ziercke gewartet, bis Köhlers Unterschrift unter dem Gesetz trocken war, bevor er anfing, seine Befugnisse aufzubohren. Trotzdem: Chapeau, Herr Ziercke, das ging schnell!

Bakker hat 50.000 Euro verlost?

Sehr sonderbar: wir hatten irgendwann mal was bei Bakker Holland Pflanzenversand bestellt, und jetzt kam ein Katalog dieser Firma, dem ein Gewinnspiel beigelegt war. In bester Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Manier stand da ganz groß was von 50.000 Euro und Gewinnnummern, die man freirubbeln sollte, und siehe da: unsere Nummer hat gewonnen! — OK, möglicherweise, wenn sie mit der irgendwann schon gezogenen Gewinnnummer übereinstimmen sollte. Aber wenn ich dieses Blättchen richtig verstehe, dann haben wir zumindest eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 5, 50.000 Euro gewonnen zu haben.

Kann man diese Leute nicht auf Herausgabe des Gewinnes verklagen? An wen auch immer? Gibt es eine Lotterie-Überwachung, die sicherstellt, dass irgendjemand am Ende 50.000 Euro überwiesen kriegt? Und zwar nicht der Sohn der Sekretärin, der sich für die PR-Abteilung einmal als glücklicher Gewinner mit einem Riesenscheck fotografieren lässt und dafür 500 Öcken kassiert?

Roland Koch gehen die Emotionen durch

Roland Koch hat laut Frankfurter Rundschau vom 12.12. gesagt, im letzten Wahlkampf seien bestimmte Themen „emotional entglitten“. Entglitten?

„Entglitten“, das klingt so nach Versehen, nach Ungeschick, nach kann-ja-mal-passieren. Netter Versuch, Herr Koch. Aber: Wenn ich heute nacht um drei vor Ihrem Privathaus stehe und eine Viertelstunde lang „ROLAND KOCH, DU BIST EIN VERLOGENES ARSCHLOCH!!!“ in ein Megafon brülle, bis die Polizei mich abführt — kann ich mich dann vor Gericht damit rausreden, dass mir die Meinungsäußerung zu diesem Thema emotional entglitten sei?

Herr Koch, Sie haben im Wahlkampf die Hass-Sau, die Angst-Sau, die Ablehnungs-Sau monatelang durchs Dorf geprügelt, immer und immer wieder. Jetzt, wo Sie feststellen, dass die Viecher Sie in den Arsch gebissen haben, können Sie nicht unschuldig gucken und sagen: „Hupps, da ist mir wohl die Hand ausgerutscht…“.

Klar: dem Holzklotzwerfer ist sein Holzklotz vermutlich auch nur von der Autobahnbrücke runter aus der Hand gefallen, sozusagen über das Brückengeländer entglitten. Hoppla.

Gefunden, angekommen, alles gut

Beim Frühstück heute haben besteste Ehefrau von ganze Welt und ich uns ganz beiläufig unterhalten über Lebensplanung, Sinnsuche, Todesangst und generelle Zufriedenheit. Ganz normal also; worüber man halt beim gemütlichen Wochenend-Frühstück so spricht, wenn man nicht gerade Sohnemann aus dem Kakao rettet.

Und wir sind uns einig, dass wir jetzt, beieinander, miteinander, eigentlich da sind, wo wir hinwollten.

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Der Untergang des christlichen Abendlandes, mal wieder

Ein „Manfred“ ohne Nachnamen zeichnet in seinem Blogartikel „Strategien des Gegendjihad“ das Bild einer konzertierten islamischen Unterwanderung der Welt. Recht belesen, zumindest lässt er eine Menge Buchtitel fallen, aber offenbar lebt er in einer anderen Welt als ich. Weiterlesen

Alles eine Frage der Definition

Ich bin gerade in den Tiefen des aktuellen Codes auf ein verschüttetes typedef gestoßen, mit dem eine zentrale und anderswo oft benutzte Klasse auf eine andere zentrale und anderswo oft benutzte Klasse umdefiniert wurde. Das ist ungefähr so, als würde man bei einem Taschenrechner ab Werk die Sinus-Taste auf den Cosinus umleiten: solange man Stochastik macht, fällt das keinem Schwein auf – aber jeder, der sowas in der Trigonomie-Klausur in die Finger kriegt, flucht wie ein Gebrauchtkamelhändler, sobald ihm das auffällt.

War da gerade „Wir treiben unsere Kollegen in den Wahnsinn“-Tag?

Grüne Gentechnik, rote Gentechnik

Dr. Christiane Nüsslein-Volhard, Biologin und 1995 Empfängerin des Medizin-Nobelpreises, hat in einem Interview der ZEIT gesagt:

Auf welche Einsicht wartet Ihre Forschergemeinde am sehnsüchtigsten?

Dass die grüne Gentechnik einen Fortschritt und eine Chance für Welternährung und Umweltschutz bedeutet – und nicht einen Irrweg. Für den Einsatz der Gentechnik in der Biomedizin, die sogenannte rote Gentechnik, hat sich diese Erkenntnis ja bereits durchgesetzt. Bei der Gentechnik auf dem Acker müssen wir endlich die ideologischen Hürden überwinden.

Nun macht es für mich schon einen Unterschied, ob Gentechnik neue medizinische Behandlungsmöglichkeiten bietet oder ob Gentechnik auf dem Acker dem Bauern das Leben leichter macht. Wenn es Leben retten kann, dann riskiert man halt zur Not auch manchmal eine experimentelle Therapie. Wenn es nur darum geht, seine Felder mit Agent Oranges kleinem Bruder zuballern zu können, ohne dass einem die Nutzpflanzen verrecken, dann möchte ich eigentlich keine windgetragene Kontamination der Nachbarfelder riskieren. Weiterlesen

Lieber BMW-Fahrer,

ich kann ja verstehen, dass es frustrierend ist, wenn man am Steuer eines (geschätzt) 3-Mio.-PS-Boliden sitzt und dann die Maschine nicht mal richtig vorführen kann, weil vor einem ein rangierender LKW die komplette Kreuzung blockiert. Dass die Leute für ihre Umzüge aber auch immer so große Laster nehmen müssen! Und dann in Stadtvierteln, wo die Straßen sowieso schon so eng sind! Unmöglich!

Ich kann auch verstehen, dass es schlagartig noch frustrierender ist, wenn dann direkt vor einem ein Radfahrer elegant am LKW vorbei über die Kreuzung huscht. Was der sich da nur einbildet! Da könnte ja jeder kommen, und überhaupt! Unmöglich!

Trotzdem, lieber BMW-Fahrer: Autohupen sind dafür gemacht, dass man sie zur Not auch noch im Inneren eines geschlossenen Blechkastens hören kann, der mit Tempo 200 durch den prasselnden Regen rauscht. Aber auf kurze Entfernung direkt auf die Ohren? Körperverletzung.

Aua.

Also: das nächste Mal, wenn Du mich direkt vor Deiner Motorhaube anhupen musst, dann ist die Versuchung groß, Dich aus Deinem blöden BMW zu zerren, vor den Kühlergrill zu ketten UND SOLANGE ZU HUPEN, BIS DU LACHST!

Mannomann…

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OK, danke der Nachfrage, jetzt fühle ich mich tatsächlich schon besser.

„Eine Zensur findet nicht statt.“

Meine Güte, was kloppen jetzt alle auf Michael Vesper rum! Dabei hat der Mann doch nur gesagt, was eigentlich alle wissen (sollten), nämlich, dass das Internet auch in Deutschland lange nicht so frei ist, wie man das gern hätte. Und wenn jetzt irgendwelche merkbefreiten Fuzzies (*hust*Peter Danckert*hust*) sagen: „Aber das kann man doch gar nicht vergleichen! In Deutschland werden doch nur Seiten gesperrt, die gegen die Gesetze verstoßen!“ — ja, glauben die denn, dass das in China anders ist? Die sperren ja auch nicht nach Zufall einfach mal die Seiten des brasilianischen Orchideenzüchterverbandes, die halten sich nur brav an ihre Gesetze! Und wenn manche Meinungen da verboten sind, dann sind solche Seiten halt nicht zu finden, ganz einfach. Das ist grundsätzlich nicht anders als türkeikritische Seiten in der Türkei, islamkritische Seiten in islamischen Ländern, den Holocaust leugnende Seiten in NRW oder regimekritischen Seiten in Regimes.

OK, zugegeben: wenn hier bekannt wird, dass ein Nazi rechte Seiten auf einem ausländischen Server geparkt hat, dann werden „nur“ diese Seiten gesperrt — immerhin verschwindet der Kerl nicht für Jahre irgendwo in einem Gefängnis oder wird totgeprügelt. Und in Deutschland darf man auch frei darüber diskutieren, worüber man alles gerne frei diskutieren können möchte und darf die entsprechenden Gesetze in Frage stellen. Aber das bedeutet nicht, dass das Internet in Deutschland generell frei und unzensiert zugänglich wäre. Irgendwas gibt es immer, was den Mächtigen nicht gefällt, und irgendwas wird dann halt verboten.

Nasse Asse

Während meines Austauschjahres in den USA (Oakridge, Oregon: 3.600 Einwohner, zwei Ampeln — oder waren es drei?) hatte ich einen Chemielehrer, der begeistert war von Atomkraft. Alle naselang lästerte er über Umweltschützer und Atomskeptiker, unter anderem mit der Begründung, dass alle Strahlung, die da genutzt wird, ja sowieso schon in der Natur vorkäme und ausserdem gar nicht so gefährlich sei. Er jedenfalls hätte mal eine Führung in einem Atomkraftwerk mitgemacht, und das sei gar nicht gefährlich gewesen, und überhaupt würde da immer ganz toll aufgepasst.
Das Thema Endlagerung war für ihn auch kein Problem, schließlich gäbe es ja genug alte Minenschächte, und soviel strahlender Atommüll fiele ja sowieso nicht an, bei den paar Brennstoffstäben, und das sei alles technisch lösbar.

Mann, was habe ich mich mit ihm gezofft…

An diesen netten älteren Herren muss ich jedesmal denken, wenn ich über Endlagersicherheit sinniere und über die Diskrepanz zwischen Halbwertszeiten und geologischen Vorgängen einerseits und der menschlichen Lebensdauer andererseits. Dazu hat Herr Birkenhake was Gutes auf „anmut und demut“ geschrieben:

„Das „Versuchsendlager“ in Asse gibt es seit 43 Jahren. Die Bundesrepublik Deutschland, die das Lager betreibt, gibt es seit 59 Jahren. Den Staat ‚Deutschland‘, den rechtlichen und organisatorischen Vorgänger der BRD gibt es seit 137 Jahren. Die deutsche Sprache, die praktische alle Kommunikation und Verwaltung in Deutschland regelt, gibt es seit ca. 1200 Jahren. Das Lateinische Alphabet, das der deutsche Sprache seine nachhaltigste Form verleiht, gibt es seit 2700 Jahren. Die Halbwertszeit von Plutonium beträgt 24.100 Jahre. Die Halbwertszeit von Uran beträgt 704 Millionen Jahre. Wie kann ich jemanden ernst nehmen, der versucht mir weiss zu machen, man können auf etwas so Gefährliches wie radioaktive Abfälle über einen so langen Zeitraum aufpassen, ohne dass jemandem etwas passiert und ohne dass die Kosten ins Astronomische wachsen?“

Amen, Bruder.

Eine Menge Leute haben da fleißig geforscht und gebastelt (löblich), fleißig Geld damit verdient (nicht grundsätzlich verwerflich) und die Gefahren und im Endeffekt unkalkulierbaren Gesamtkosten der Allgemeinheit aufgebürdet (böse). Oder kann mir jemand von der Atomlobby vorrechnen, wie man eine Endlagerstätte bis zum Ende der Menschheit bewachen will, ohne dabei Pleite zu gehen?

Die einzige Lösung, die mir dafür einfällt, klingt wie aus dem Science-Fiction-Roman: eine pseudo-religiöse Bruderschaft, deren Aufgabe und heilige Pflicht darin besteht, das Endlager zu bewachen. Und ich bin dafür, dass die komplette Atomwirtschaft vom mittleren Management aufwärts dafür zwangsverpflichtet wird.
Zölibat ist meinetwegen auch optional.

Philipp Lahm, Mr. Fair Play

Vorab: wir gucken eigentlich kein Fernsehen, und dementsprechend beschränkt sich meine Kenntnis von Fußballspielern auf WM- und EM-Länderspiele. Und je mehr dieser Länderspiele ich anschaue, desto mehr werde ich ein Fan von Philipp Lahm. Hat der Mann jemals ein schlechtes Spiel gemacht? Ich kann mich nicht erinnern! Ich kann mich aber auch nicht erinnern, dass der Mann überhaupt jemals gefoult hätte. Frings, ja, der geht auch mal rustikal zur Sache. Metzelder: ja, durchaus. Auch Ballack ruppt gelegentlich mal. Aber Lahm? Der Saubermann schlechthin? Jeder Zweikampf ist eine Augenweide! Wenn der einen Angreifer vom Ball trennt, dann geschieht das regelmäßig derart sauber, mit einer geradezu chirurgischen Präzision, dass der Gegenspieler ball- und ratlos noch ein paar Schritte weiterläuft und dann bedröppelt umkehrt, um sich in die Verteidigung einzureihen. Da traut sich auch keiner, eine Schwalbe zu bauen! Wär ja auch blöd — jeder Schiedsrichter würde dafür doch sofort Gelb geben.

Wenn Philipp Lahm seinem Gegenspieler aus drei Metern Entfernung mit gestrecktem Bein ins Kreuz springt, dann reibt der Schiedsrichter sich die Augen, beschließt, dass er sich das eingebildet haben muss, und lässt das Spiel weiterlaufen. Selbst wenn bei der Obduktion die Abdrücke von Lahms Stollen in den Knochen des Opfers gefunden werden, dann wird nachträglich auf höhere Gewalt erkannt und Lahm freigesprochen.

Neues von der Spam-Front

Es war ja nur eine Frage der Zeit, und es hat mich auch gewundert, dass es so lange gedauert hat, aber gerade hatte ich die erste Mail in meinem Spam-Ordner, deren Betreffzeile gleich mit der Mailadresse mitgeerntet worden war.

Englischsprachige Betreffzeilen sind bei mir in 99% der Fälle Spam, und die deutschen konnte man bisher recht gut anhand der Absender aussortieren. Aber der Kontrollblick in den Spam-Ordner wird nicht gerade einfacher, wenn die Mails nicht mehr „V1agra!!!“ oder „YOU ARE A WINNER !!!!1!11!“ oder „Corinne meinte, dies ist was fuer dich“ heißen, sondern „Kino heute abend?“ oder „Re: Tut mir leid…“. Das wird sogar noch schwieriger, wenn gerade dieser Absender vor nicht so langer Zeit tatsächlich eine solche Mail rumgeschickt hatte. Andererseits weiß man dann, dass irgendwo in der Verteilergruppe ein Rechner infiziert war und den kompletten Inhalt seines Postfaches nach Rumänien exportiert hat.

Ich prophezeie, dass demnächst die ersten Spams rumgehen, die aus einer alten echten „Ey, kuck mal, was ich im Internet gefunden habe!“-Mail bestehen, bei der lediglich die Links auf irgendwelche anderen Seiten umgebogen worden sind. Da schickt dann Kumpel Kalle zwei identische Mails hintereinander rum: in der ersten sind Links auf ein paar „Pudel fällt besoffen um“-Filme und in der zweiten, ein paar Tage oder Wochen später, sind stattdessen Links auf virenverseuchte Pornoseiten. Das wird dann erst so richtig lustig.

Und analog dazu mit Anhängen: wenn mit meiner Absenderadresse eine wortkarge Mail namens „Neue Version“ verschickt wird, die eine gezippte Exe im Anhang hat, dann dürften einige Leute die schon ganz automatisch öffnen, entpacken und anklicken…

Moralischer Aufschrei

Hei, was geht doch im Moment für ein Sturm der Entrüstung durch Netzforen und Zeitungen! Und alles bloß, weil eine junge Mutter als Scherz ihren 8 Monate alten Sohn bei eBay reingesetzt hatte, „fast neu“. Zack, Haftbefehl, Jugendamt, Kind in die Klinik, volles Programm! „Ja, aber über sowas macht man doch keine Scherze! Unmöglich, sowas!“

Haaaalloooooo! Erde an Großhirn, Erde an Großhirn, jemand zu Hause im Humorzentrum? Haben Late-Night-Showmaster jetzt ein Monopol auf geschmacklose Witze? Die kriegen noch den Grimmepreis dafür!

Das war ja auch nicht das erste Familienmitglied, was auf eBay angeboten wurde. Gute Güte, wie war das denn damals mit der als Sklavin angebotenen kleinen Schwester (8 Jahre? 12? Irgendsowas)? Wurde das ältere Geschwist da auch von Psychiatern auf Familiensinn und soziale Fähigkeiten getestet?

Und die Weltherrschaft? Ich weiß nicht mehr, wieviel die Urkunde damals erzielt hat, aber wenn ich mich nicht irre, ist die Versteigerung sogar durchgelaufen — muss sich bei sowas nicht die Bundesstaatsanwaltschaft einschalten? Schließlich ist das entweder Betrug oder ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung!

Leute, Leute… bei eBay werden alle Nase lang Scherzversteigerungen gestartet, manche witzig, manche weniger. Wenn man die alle ernst nähme, hätte man erstens viel zu tun und zweitens, nun ja, wenig Spaß. Aber vermutlich sind Jugendämter nach den letzten paar toten Kindern etwas dünnhäutig geworden und greifen im Zweifel lieber einmal zuviel ein. Gegen Wachsamkeit ist ja auch nichts einzuwenden, aber hätte da nicht ein Hausbesuch und ein Gespräch mit der Familie gereicht?

Also, ich fands witzig. Bloß gut, dass die Mutter „fast neu“ geschrieben hat und nicht „nur wenig benutzt“, sonst hätte sie das Kind wohl noch nicht wieder. Und wenn sie vom ausgepackten Verkaufsobjekt ein paar Fotos geschossen hätte, dann könnte man sie auch noch wegen Kinderpornographie drankriegen, dann wär eh alles vorbei…

Kundenservice

Anrufe bei Telefon-Hotlines nerven, auch bei der BHW. Weiterlesen

BGH-Richter abgehört?

Das Blog von Anne Roth zu lesen ist lohnenswert, weil man darin jede Menge Unterhaltsames aus dem Alltag einer ganz normalen vom deutschen Rechtsstaat überwachten Familie erfährt. Aber diese Bemerkung in einem ihrer Einträge hat mich noch mehr irritiert als die ganze kafkaeske Kacke, die ihr sonst widerfährt:

Bei der Transmediale habe ich die Tochter eines ehemaligen Richters am Bundesgerichtshofs kennengelernt. Sie schockte alle am Tisch damit, dass sie niemals irgendwas wichtiges oder persönliches unverschlüsselt per Mail verschicken würde. Weil sie ja als Kind und Jugendliche mit der Überwachung aufgewachsen ist und zu ihrem Alltag gehörte, dass ihr Telefon abgehört wurde. Sie geht ganz automatisch davon aus, dass mitgehört wird.
Die BGH-Richter werden alle abgehört und wissen das auch. Es dient der gegenseitigen Kontrolle. Wundert sich jetzt noch irgendwer, dass deutsche Richter so leichtfertig Überwachungsmaßnahmen gegen andere unterschreiben?

Bitte was??? Alle BGH-Richter werden abgehört? Ist das so? Darf das?

Was ist denn dann mit Ministern oder Abgeordneten? Sind die nicht ähnlich wichtig und des Kontrollierens wert?

Edit: Siehe auch „BGH-Richter nicht abgehört, aber Bewerber“.

Musikhalle – der Morgen danach

Die Wahlergebnisse sind da, und das Bürgerbegehren hat mit 70% der Stimmen überragend gewonnen.

Und jetzt?

Zunächst: Ich war überrascht, wie deutlich die Abstimmung ausgegangen ist. Nach der Propagandaschlacht der letzten Wochen hatte ich wirklich keine Ahnung mehr, wie die Gesamtstimmung in der Bevölkerung sein könnte. Fast alle, mit denen ich mich unterhalten habe, waren gegen eine städtische Beteiligung an der Musikhalle unter den gegebenen Umständen, aber wenn man nach der Zeitungsberichterstattung vor der Wahl urteilt, dann waren 90% der „Leute auf der Straße“ dafür. Offenbar war ich nicht der Einzige, der von der Klarheit der Entscheidung überrascht war, denn einige Kommentare der Musikhallenfreunde in der Wahlnacht klingen überrascht und gekränkt: wieder einmal wurde der Untergang der westlichen Zivilisation heraufbeschworen, Münster wurde ein Abstieg in die kulturelle Drittklassigkeit prophezeit und abermals die „Kultur gegen Sozial“-Karte gezogen. Das wollen wir mal verbuchen unter „Verletztes Um-sich-Schlagen“ — Schwamm drüber. Ich will jetzt nicht aufzählen, wieviele Leute ich kenne, die Musiker sind oder reich oder beides, und die trotzdem die Musikhalle unter diesen Umständen für eine blöde Idee halten.

Wie geht es weiter?

Optimaler Ausgang wäre, wenn noch die nötigen Spenden zusammenkommen, um eine schöne große Musikhalle zu bauen, und sich vielleicht auch eine Stiftung findet, die die (fast sicher nötigen) Finanzspritzen für den laufenden Betrieb zur Verfügung stellt. Münster sollte eigentlich genügend viele genügend reiche Mitbürger haben, nicht?
Alternativ dazu kann man ja noch hoffen, dass die Stadt in ein paar Jahren das Defizit abgebaut hat. Dafür haben wir ja schließlich das Rödl-Gutachten in Auftrag gegeben. Und wenn die Stadt erst einmal im Plus ist, dann sollten wir in der Lage sein, ein solches Projekt auch rein aus öffentlichen Mitteln zu stemmen.

Aber egal ob Spenden oder Haushaltssanierung: ich werde nicht die Luft anhalten, bis es dazu kommt.

Musikhalle für alle?

Musikhalle, ja oder nein?

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Liebe Firma Microsoft, lieber Bill Gates,

mich nerven Produktschlüssel. Ich kann ja verstehen, dass Du Dich davor schützen willst, dass Deine schöne Software einfach so von aller Welt kopiert wird, ich kann mich auch dazu durchringen, irgendwelche alphanumerischen Zeichenfolgen von zwei Dutzend Zeichen Länge abzutippen, und ich halte Dir immerhin zu Gute, dass dieser Produktschlüssel nicht auf der CD selber aufgedruckt ist, wie ich es anderswo schon erlebt habe (toller Witz, das…). Vielleicht bin ich auch momentan einfach nur erkältet und nörgelig, aber trotzdem:

Können wir uns darauf einigen, dass Produktschlüssel, wenn sie schon sein müssen,

  • FETT,
  • in einer Serifen-Schriftart und
  • in einer Schriftgröße, die von Normalsichtigen auch auf, sagen wir, zwei Meter Entfernung noch lesbar ist,

auf diese neckischen Aufkleber gedruckt werden?

Das hätte mir heute morgen das Leben etwas erleichtert.

Danke.