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Dichten und Debuggen und der Musenkuss

Ich hasse Programmieren.

Nein, eigentlich ja nicht. Aber manchmal halt schon. Heute zum Beispiel. Und heute war dummerweise ich schuld…

Das letzte Jahr habe ich mehr oder weniger damit zugebracht, fremden Code kennen zu lernen und zu debuggen. Irgendein Kollege kommt rein, mit mehr oder weniger roten Flecken im Gesicht, und sagt sowas wie: „Sag mal, Christian, Du bist doch jetzt derjenige, der für XYZ zuständig ist, oder?“
In dem Moment kriege ich immer schon Schweißausbrüche, denn ich weiß genau: die nächsten Stunden oder Tage darf ich mich wieder fluchend durch zigtausend Zeilen Programmcode wühlen, der unkommentiert und, hmmm, sonderbar strukturiert ist, und nach irgendwelchen obskuren Bugs suchen. Zwei Tage später bin ich zwar völlig aus meinem eigentlichen Projekt raus, aber immerhin ist der Bug behoben, ich habe das Programm mit seinen fünfzehn Millionen Optionen, Sondereinstellungen und Wahlmöglichkeiten besser kennengelernt, der Kunde ist glücklich und ein paar hundert Zeilen Code sind nebenbei wieder sauberer geworden. Das entschädigt ein wenig für die grauen Haare.

Nein, fremden Code debuggen zu müssen ist echt schlimm. So frustrierend! Da liest man Code, da testet man, da wälzt man Dokumentationen und googelt sich die Finger wund — nichts funktioniert!

Das einzige, was schlimmer ist, als stundenlang erfolglos fremden Code zu debuggen, ist, stundenlang erfolglos eigenen Code zu debuggen. Da kommt man sich noch viel blöder vor, und man kann nicht mal auf jemand anders schimpfen…

Debuggen ist sowieso der ungeliebte Teil des Programmierens, und auch neuen Code zu schreiben ist gelegentlich einfach mühsam und nervig. Aber manchmal… manchmal fluppt es halt einfach: der Algorithmus stimmt, das Programm kompiliert im ersten Versuch, und es läuft auch gleich fehlerfrei durch. Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Büro.

Hmmnja.

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Dichten? Einfach übergangslos umschwenken? OK:

Beim Dichten oder Schreiben ist es ähnlich: manchmal kriegt man ums Verrecken keinen gerade Satz auf das Papier, und den einen oder anderen Absatz streicht man fünfmal durch, bevor man annähernd zufrieden ist — und manchmal fängt man an und schreibt eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht glatt und fehlerfrei runter. Zack, Unterschrift, fertig! Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Haus.

Irgendein schlauer Mensch hat mal sowas gesagt wie: „Es gibt Tage, da scheint einem alles zu gelingen. Keine Angst: das geht vorüber.“
Ja, das geht vorüber, und allzu oft passiert es auch sowieso nicht. Aber wenn einem sowas mal wieder passiert — hach…

Was für ein Genuss,
so ein Musenkuss!

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