„Ich habe ja nichts zu verbergen“

Wenn ich einen Euro hätte für jedes Mal, wenn jemand beim Thema Überwachung so argumentiert hat, dann könnte ich davon lecker essen gehen.
Grmpf!
Wie naiv kann man sein? „Och, ich weiß gar nicht, was die Aufregung soll! Die wollen doch nur die Bösen fangen!“

Aber jetzt kann ich das endlich elegant kontern, denn Johnny Haeusler von Spreeblick hat dazu eine schöne Parabel gebastelt:

Nehmen wir an, Überfälle und Straftaten in Privatwohnungen hätten zugenommen, auch wurde festgestellt, dass die Zusammentreffen vieler krimineller Vereinigungen in privaten Wohnungen stattfinden. Zum Schutz der Bürger und des Staates übernimmt eine Sondereinheit der Polizei die Sicherung privater Wohnhäuser. Wer seine Wohnung verlässt, hinterlegt seinen Haustürschlüssel beim Pförtner – einem vertrauenswürdigen und ausgebildeten Beamten, der dem bestehenden Recht sowie vielen zusätzlichen Verhaltensregeln seiner Position unterliegt. Es kommt vielleicht zu einzelnen, routinehaften Stippvisiten, doch es gibt keinen Grund, dem Mann nicht zu vertrauen. Man hat schließlich nichts zu verbergen.

Würde unsere Wohnung in einem solchen Szenario noch so aussehen, wie sie derzeit aussieht?

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5 Antworten zu “„Ich habe ja nichts zu verbergen“

  1. ganz ehrlich? Ja, sie würde noch genau so aussehen, weil ich es sowieso nicht schaffe auf zu räumen und in dem Chaos selbst nicht finden würde ;)

    Mir geht die Debatte ja auch auf die Nerven … zumal es ja nicht wirklich um solche Oberflächlichkeiten geht, wie da auf dem Spielplatz des CCC oder bei Generation Heise debattiert wird. Sollen sie doch machen, who cares … es sind nur Symptome, die Welt krankt noch ganz anderes!

  2. Was interessierts mich, was irgendein fremder Pförtner in meiner Wohnung findet und sich dabei denkt … wenn die hingegen den Schlüssel meiner Mutter … nicht auszudenken …

    Nein, aber du hast natürlich recht, Überwachung sucked (und das fand ich auch schon vor der Abmahnung wegen der Harry Potter Hörbücher). Es hat Zeiten gegeben, in denen ich jedes Telefonat mit den Worten „Grüße an die Herren vom Verfassungsschutz“ angefangen habe, wir hatten da immer dieses verdächtige Klicken in der Leitung. Ich erinnere mich auch, nachdem die Grenzen zur DDR geöffnet wurden, damals, da hat man dann eine Telefonzentrale der Stasi entdeckt, in der 300 Ost-West-Telefonate gleichzeitig belauscht werden konnten. Riesenskandal das, in allen Medien. Ein paar Tage später gab es dann eine ganz kleine Meldung, dass der BND wohl ganz ähnliche Telefonüberwachung betrieben hat, nur in größerem Maßstab, von mehreren tausend abgehörten Leitungen war da die Rede. Kurz, dann griff die staatliche Zensur und die Nachricht ward nie mehr gesehen. Vielleicht hat es auch einfach niemanden interessiert, der BND, das waren ja unsere Leute, die Guten und überwacht haben die nur die bösen Kommunisten drüben. So wie heute die Überwachungsmaßnahmen natürlich nur dazu dienen böse Kinderpornoverbreiter und Terroristen zu schnappen. Vielleicht auch noch ein paar Urheberrechtsverletzer, die ja schließlich die arme bemitleidenswerte Musikindustrie völlig in den Ruin treiben. Was sollen die EMI und Sony Bosse denn dann essen?

    Manchmal denk ich: zur Hölle mit dem ganzen pazifistischen Scheiß, ich melde mich doch mal in so einem palästinensischen Terroristenausbildungscamp an. Oder nehmen die mich heute nur noch, wenn ich mir ein Kopftuch umbinde? Obwohl, vielleicht ganz praktisch, dann wehen einem die Haare nicht vors Fadenkreuz … nein, ich habe nichts geraucht … wieso?

  3. Wenn ich mir Che so anschaue, dann gibt es ja auch nichts schlimmeres als Blut in den Haaren ;)

    Ich würde gern dir ja gern zustimmen, da ich aber fürchte die Zelle wäre zu klein für uns Beide, Capella – distanziere ich mich hiermit natürlich in jeglicher Form von deinen Zeilen … Ja, und ich lege Wert darauf, dass es niemand erfährt dass ich auch von drüben bin … wozu immer das auch nützlich in der Bewertung der Zustände sein sollte ;)

    LG und ich brüh im Glanze dieses Glückes …

    Janice

  4. Jetzt musste ich diesen Eintrag nochmal aus den Tiefen des Blog-Nirvanas kramen, weil ich gerade dieses hübsche Zitat gefunden habe. Es passt so gut:

    „Those who prefer security to liberty deserve neither.“
    – Benjamin Franklin

  5. Hmmnjaaa… das existiert in unzähligen Variationen. Laut Wikiquote hat Franklin ein Buch verlegt, in dem der Spruch steht:

    „Those who would give up Essential Liberty to purchase a little Temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.“

    Aber der Mann war auch so schon die Quelle vieler guter Sinnsprüche und Bonmots:

    – There never was a good war or a bad peace.

    – Three may keep a Secret, if two of them are dead.

    – Do not do what you would not have known.

    – To serve the Publick faithfully, and at the same time please it entirely, is impracticable.

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