Schlagwort-Archive: Münster

Sie beobachten uns!

Gestern sah ich einen Wagen von Google Street View (schwarzer Kleinwagen (Golf?), Kennzeichen HH-GG-2312), der mit abgedecktem Kameraturm die Corrensstraße in südlicher Richtung befuhr.

Jetzt empfinde ich eine Mischung aus Stolz („Münster! Großstadt! London, zieh Dich warm an!“), Wehmut („Da geht sie hin, die provinzielle Unschuld…“) und Sorge („Hallo, Datenkrake Google? Wo soll ich meine Blutgruppe angeben, damit Sie die möglichst leicht finden?“).

Und dann wieder schulterzucke ich nur ganz blasiert und denke sowas wie „Tja, Datensammler in ihrem Lauf halten weder Och noch Esel auf“.

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Hausbau

Streng genommen müsste die Überschrift heißen: „Wohnungskauf Hauskauf Hausbau Passivhaus“. Das ist auch gleich die Erklärung dafür, dass ich seit ein paar Monaten so völlig von der Blickfläche verschwunden bin und mich bei niemandem mehr melde. Leider ist noch kein Ende in Sicht: mein Eheweib und ich suchen ein Haus.

Zuerst hatte das ja ganz harmlos angefangen: die jetzige Wohnung reicht noch bequem, aber beim zweiten Kind und spätestens beim dritten muss schon was Größeres her. Also haben wir eine Weile die Anzeigen gewälzt und uns auf Makler-Internetseiten rumgetrieben und Eigentumswohnungen gesucht: mehr als 130 qm, sechs Zimmer, möglichst zentral, möglichst unter 150.000 Euro.

Tja. In ganz NRW haben nur Köln und Düsseldorf noch höhere Immobilienpreise als Münster, daher gingen wir mit den Anforderungen runter auf „mehr als 130 qm, sechs Zimmer, möglichst unter 200.000 Euro“. Das erhöhte die Auswahl etwas, aber dabei fiel uns irgendwann auf, dass man für das gleiche Geld auch schon Gebrauchthäuser kriegen kann — also haben wir angefangen, uns schlau zu machen: Wir lasen, annotierten und exzerpierten vier Bücher; wir durchforsteten 38.792 Webseiten zum Thema „Wie kaufe ich ein Haus, ohne pleite zu gehen?“ oder „Fließend Wasser an den Kellerwänden? Billig-Schwimmbad!“; wir studierten wochenlang die Immobilienanzeigen und stellten Preisvergleiche und wilde Energieverbrauchsschätzungen an; wir verwickelten alle Hausbesitzern in der Bekanntschaft, die uns nicht schnell genug die Tür vor der Nase zuknallten, in stundenlange Gespräche über Häuser, Hauskauf, Hausfinanzierung und Hauskoller. Kurz: wir machten einen Immobilien-Crashkurs.

Dabei fiel uns auf, dass manche Häuslebauer in Münster für ihre alten Schätzchen absolute Fantasiepreise verlangen. OK, in Mauritz, am Aasee oder am Golfplatz an der Gasselstiege, da ist auch ein Schafstall aus dem ersten Weltkrieg noch eine Viertelmillion wert — aber in Amelsbüren? In solchen Vororten kriegt man für das gleiche Geld einen Neubau, besser isoliert und größer! Jedenfalls sind wir dann, auch im Hinblick auf steigende Heizenergiepreise, umgeschwenkt auf moderne Energiesparhäuser (also nicht vor 2002), möglichst schon KfW-60 oder KfW-40. Wieder wochenlang Anzeigen gelesen, Makler angerufen, Bauplätze und Häuser besichtigt… nur um jetzt, wo es eigentlich nur noch um die Frage ging „Fernwärme oder Holzpellets?“, festzustellen, dass ein Passivhaus eigentlich noch toller wäre, und vom Preis her vielleicht nicht mal soviel teuer. Also alles nochmal von vorne…

Von Wohnungskauf zu Hauskauf zu Hausbau zur Planung eines Passivhauses: Manchmal frage ich mich, ob wir nicht einfach irgendwohin auswandern sollten, wo man das ganze Jahr über in Zelten leben kann.

Musikhalle – der Morgen danach

Die Wahlergebnisse sind da, und das Bürgerbegehren hat mit 70% der Stimmen überragend gewonnen.

Und jetzt?

Zunächst: Ich war überrascht, wie deutlich die Abstimmung ausgegangen ist. Nach der Propagandaschlacht der letzten Wochen hatte ich wirklich keine Ahnung mehr, wie die Gesamtstimmung in der Bevölkerung sein könnte. Fast alle, mit denen ich mich unterhalten habe, waren gegen eine städtische Beteiligung an der Musikhalle unter den gegebenen Umständen, aber wenn man nach der Zeitungsberichterstattung vor der Wahl urteilt, dann waren 90% der „Leute auf der Straße“ dafür. Offenbar war ich nicht der Einzige, der von der Klarheit der Entscheidung überrascht war, denn einige Kommentare der Musikhallenfreunde in der Wahlnacht klingen überrascht und gekränkt: wieder einmal wurde der Untergang der westlichen Zivilisation heraufbeschworen, Münster wurde ein Abstieg in die kulturelle Drittklassigkeit prophezeit und abermals die „Kultur gegen Sozial“-Karte gezogen. Das wollen wir mal verbuchen unter „Verletztes Um-sich-Schlagen“ — Schwamm drüber. Ich will jetzt nicht aufzählen, wieviele Leute ich kenne, die Musiker sind oder reich oder beides, und die trotzdem die Musikhalle unter diesen Umständen für eine blöde Idee halten.

Wie geht es weiter?

Optimaler Ausgang wäre, wenn noch die nötigen Spenden zusammenkommen, um eine schöne große Musikhalle zu bauen, und sich vielleicht auch eine Stiftung findet, die die (fast sicher nötigen) Finanzspritzen für den laufenden Betrieb zur Verfügung stellt. Münster sollte eigentlich genügend viele genügend reiche Mitbürger haben, nicht?
Alternativ dazu kann man ja noch hoffen, dass die Stadt in ein paar Jahren das Defizit abgebaut hat. Dafür haben wir ja schließlich das Rödl-Gutachten in Auftrag gegeben. Und wenn die Stadt erst einmal im Plus ist, dann sollten wir in der Lage sein, ein solches Projekt auch rein aus öffentlichen Mitteln zu stemmen.

Aber egal ob Spenden oder Haushaltssanierung: ich werde nicht die Luft anhalten, bis es dazu kommt.

Musikhalle für alle?

Musikhalle, ja oder nein?

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