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Wieder mal NaNoWriMo

Wieder mal November, wieder mal National Novel Writing Month, wieder mal hacken überall auf der Welt Tausende von Leuten Millionen von Wörtern in die Tastaturen, wieder mal macht Frau Jordans mit und wieder mal drücke ich mich. Jetzt könnte ich natürlich als Entschuldigung anführen, dass ich die ersten Tage des Monats auf einem Seminar war und keine Zeit hatte, und in den nächsten Tagen habe ich auch noch einige Termine, aber das ist alles nicht der Hauptgrund.

Der Hauptgrund ist einfach, dass im Moment keine Geschichte rauswill.

OK, irgendwo schwirrt noch die Selbstmörder-Prinzessin im Hinterkopf rum, aber da fehlt zwischen Anfang und Ende noch einiges an spannender Handlung. Und ich weiß, dass ich mich gerne mittendrin von meinen Charakteren überraschen lasse, aber das sind dann Überraschungen, die sich in einer eigentlich anders geplanten Situation ergeben.

Ich segele ungern völlig planlos in den Nebel. Wenigstens ein paar Eckpunkte sollten klar sein, sowas wie A-B-C-G-K-Q-R-Z. Von mir aus sind A oder Z auch optional, und wenn ich bei C bin, dann werde ich schon irgendwie nach G kommen — aber die kühne Fahrt von A nach Z ohne eine Ahnung, wo ich zwischendurch festen Boden unter die Füße kriege? Nee.

Da fehlt mir auch der Druck, das Ding zu Papier zu bringen. In diesem Stadium ist die Geschichte derart unreif, dass sie sich noch lange hält. Und da lasse ich ihr lieber noch ein wenig Zeit und stecke meine statt dessen in Familie, Arbeit, Freunde, Spielen, Hausbau…

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Aus der Rubrik „Carpe Diem“:

Neil Gaiman schreibt: „I’ve never had writers tell me, drunkenly, that they wished that they were in marketing, while I’ve definitely listened to marketing people drunkenly mourn their vanished writing careers.“

(vage Übersetzung:„Mir hat noch nie ein Schriftsteller in betrunkenem Zustand erzählt, dass er wünschte, er würde im Vertrieb arbeiten, während ich definitiv schon betrunkenen Vertrieblern zugehört habe, die ihrer entschwundenen Schriftstellerkarriere hinterhergeweint haben.“)

Unser tägliches Wort gib uns heute

Vor ein paar Tagen hatte ich mir vorgenommen, ab jetzt täglich 100 Wörter an meiner Fantasy-Geschichte weiterzuschreiben. Bei dem Tempo werde ich dann in ungefähr zwei Jahren bei 100.000 Wörtern sein; das ist schon eine gute Größe für ein Buch. Noch ein paar Wochen oder Monate redigieren, dann sollte das in spätestens drei Jahren stehen.

Bisher hat das mit dem täglich-ein-Bißchen-Schreiben auch ganz gut geklappt, obwohl mir dazu noch eine dedizierte Tageszeit fehlt. Wenn ich das ans Ende des Tages klemme und irgendwann zwischen Abendessen und Zu-Bett-Gehen erledige, dann gibt es heftige Konkurrenz durch Hausarbeit, gemeinsames Freizeitprogramm und gelegentliches abendliches Ausgehen. Morgens bin ich froh, wenn ich es irgendwie schaffe, um 5:50 Uhr aus dem Bett zu rollen — noch früher aufstehen wäre wirklich, wirklich hart! Ausserdem müsste ich dann auch früher ins Bett, und ich bin sowieso schon derjenige von uns beiden, der abends eher mit Gähnen anfängt. Der Vorschlag, dass mein geliebtes Eheweib ab jetzt einfach alleine Buffy guckt und Civi spielt, wird auf wenig Gegenliebe stoßen…

Jedenfalls ist mir, als ich die vom letzten NaNoWriMo liegengebliebene Geschichte wieder aufgegriffen habe, aufgefallen, wie planlos ich drauflos geschrieben habe. Das ist ja OK, wenn man einfach nur Wörter kloppen möchte und nach 30 Tagen bei 50.000 sein will, aber wenn ich jetzt ein ruhigeres Tempo anschlage, dann möchte ich nicht für die Tonne schreiben. Und was da alles zu verbessern ist! Nur als Beispiel: mir ist noch gar nicht klar, was für eine Atmosphäre herrschen soll. Ich ertappe mich dabei, dass sich langatmige Beschreibungen von Verletzungen und Leiden, von Entbehrung, Mord, Totschlag und anderen Widrigkeiten abwechseln mit flapsigen Witzen, was (zumindest so, wie ich es gemacht habe) die Bedrohung für den Protagonisten gleich relativiert.

Ach je. Hoffentlich kommt sowas irgendwann mal von alleine, ohne dass ich darüber nachdenken muss, so wie das Schalten beim Autofahren oder die Körperhaltung beim Singen.

Dichten und Debuggen und der Musenkuss

Ich hasse Programmieren.

Nein, eigentlich ja nicht. Aber manchmal halt schon. Heute zum Beispiel. Und heute war dummerweise ich schuld…

Das letzte Jahr habe ich mehr oder weniger damit zugebracht, fremden Code kennen zu lernen und zu debuggen. Irgendein Kollege kommt rein, mit mehr oder weniger roten Flecken im Gesicht, und sagt sowas wie: „Sag mal, Christian, Du bist doch jetzt derjenige, der für XYZ zuständig ist, oder?“
In dem Moment kriege ich immer schon Schweißausbrüche, denn ich weiß genau: die nächsten Stunden oder Tage darf ich mich wieder fluchend durch zigtausend Zeilen Programmcode wühlen, der unkommentiert und, hmmm, sonderbar strukturiert ist, und nach irgendwelchen obskuren Bugs suchen. Zwei Tage später bin ich zwar völlig aus meinem eigentlichen Projekt raus, aber immerhin ist der Bug behoben, ich habe das Programm mit seinen fünfzehn Millionen Optionen, Sondereinstellungen und Wahlmöglichkeiten besser kennengelernt, der Kunde ist glücklich und ein paar hundert Zeilen Code sind nebenbei wieder sauberer geworden. Das entschädigt ein wenig für die grauen Haare.

Nein, fremden Code debuggen zu müssen ist echt schlimm. So frustrierend! Da liest man Code, da testet man, da wälzt man Dokumentationen und googelt sich die Finger wund — nichts funktioniert!

Das einzige, was schlimmer ist, als stundenlang erfolglos fremden Code zu debuggen, ist, stundenlang erfolglos eigenen Code zu debuggen. Da kommt man sich noch viel blöder vor, und man kann nicht mal auf jemand anders schimpfen…

Debuggen ist sowieso der ungeliebte Teil des Programmierens, und auch neuen Code zu schreiben ist gelegentlich einfach mühsam und nervig. Aber manchmal… manchmal fluppt es halt einfach: der Algorithmus stimmt, das Programm kompiliert im ersten Versuch, und es läuft auch gleich fehlerfrei durch. Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Büro.

Hmmnja.

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Dichten? Einfach übergangslos umschwenken? OK:

Beim Dichten oder Schreiben ist es ähnlich: manchmal kriegt man ums Verrecken keinen gerade Satz auf das Papier, und den einen oder anderen Absatz streicht man fünfmal durch, bevor man annähernd zufrieden ist — und manchmal fängt man an und schreibt eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht glatt und fehlerfrei runter. Zack, Unterschrift, fertig! Das ist selten, aber gelegentlich gellen in solchen Fällen Glücksschreie durchs Haus.

Irgendein schlauer Mensch hat mal sowas gesagt wie: „Es gibt Tage, da scheint einem alles zu gelingen. Keine Angst: das geht vorüber.“
Ja, das geht vorüber, und allzu oft passiert es auch sowieso nicht. Aber wenn einem sowas mal wieder passiert — hach…

Was für ein Genuss,
so ein Musenkuss!