Archiv der Kategorie: Schwadronage

Bakker muss zahlen!

Durch einen Kommentar hier habe ich davon erfahren und mal gegooglet: endlich hat mal jemand geklagt — und Bakker muss zahlen!

Begründung:

Ein Durchschnittsver­braucher müsse annehmen, dass ihm 50.000 Euro überwiesen werden.

„Lediglich bei genauem Studium und engagiertem Lesen der kleingedruckten Textteile“, steht in dem noch nicht rechtskräftigen Urteil, „ist es möglich, dass bei einem juristisch gebildeten Verbraucher gewisse Zweifel aufkommen.“

Es sei in den Unterlagen sogar davon die Rede, dass der Gewinn „so schnell wie möglich ausbezahlt“ werde und die Gewinnerin „mit niemandem zu teilen brauche“. Das Gericht sprach auch vier Prozent Zinsen und 8300 Euro Verfahrenskosten zu.

(Quelle: KURIER.at)

Aber vermutlich wird Bakker in die Berufung gehen. Irgendwie muss die Rechtsabteilung ja ihre Existenz rechtfertigen.

 

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Simplify Your Life mit IKEA

IKEA ist mehr ist als nur ein Möbelhaus, schon seit Jahren. Aber mittlerweile habe ich den Eindruck, dass nur noch die Hälfte des Katalogs sich um BILLY und Co dreht. Geschätzt ein Viertel des Angebotes sind KÄRTSEN, WASÄN oder SERVIÄTENRINGÄ. Was mir bisher noch nicht aufgefallen war: das verbleibende Katalogviertel besteht aus Kisten, Kästen, Kartons, Haken, Hängern, Säcken und Dosen, mit denen man versuchen soll, einen Rest Ordnung in KRIMSKRÅMS, NIPPÄS und STÄHRÜMCHEN zu bringen.

Ist das nicht ironisch? Erst verkaufen sie einem den Schrott, und dann verkaufen sie einem noch mehr Schrott und die Hoffnung, dass man damit dann seinen Haufen Schrott noch irgendwie organisiert kriegt.

Fehlt nur noch, dass jede IKEA-Filiale einen kleinen Buchladen neben dem IKEA-Restaurant einrichtet, mit solchen Titeln wie „Schöner Leben mit Massivholzmöbeln“ oder „Simplify Your Life“ oder „Weniger ist mehr“…

Was für Gefahren sind vertretbar?

Auf Google+ habe ich mich heftig mit Sören Meyer-Eppler gestritten, ob es dumm ist, ohne Sicherung klettern zu gehen, oder nicht.

Mit etwas Nachdenken komme ich auf 4 verschiedene Arten von Risiko, denen man im Leben begegnet: unvermeidbares Risiko, vermeidbares Risiko und unnötiges Risiko. Die vierte Art von Risiko ist gar keine Gefahr, das ist nämlich vernachlässigbares Risiko.

Unvermeidbares Risiko gehört einfach zum Leben, und man kann ihm nicht aus dem Weg gehen. Wenn der Onkologe nach der Prostata-OP sagt: „Tja, wir hoffen, dass wir jetzt alles rechtzeitig rausgeholt haben. Statistisch gesehen haben Sie eine 50/50-Chance, die nächsten 5 Jahre zu überleben“, dann ist das zwar Scheiße, aber was will man machen? 50% Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten 60 Monate zu sterben: dem kann man nicht mehr ausweichen, es sei denn, man bringt sich sicherheitshalber sofort um. Immerhin: der Sage nach eröffnet einem diese Art von Erfahrung einen neuen Blick auf das Leben und macht einen weise und glücklich. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn ich in dieser Situation einigermaßen die Würde bewahren könnte, aber das herauszufinden hat keine Eile.

Dann gibt es vermeidbares, aber sinnvolles Risiko. Grundsätzlich geht das schon in Richtung Heldentum: Bomben entschärfen, zwischen besoffene Schläger und ihr Opfer treten, medizinische Selbstversuche, Forschung und Entwicklung, … — also alles in der Kategorie „ich reiße mich nicht drum, aber irgendwer muss es ja tun“. Aber was eine solche Tat zur Heldentat macht, ist, dass man es eben nicht tun muss. Niemand wird mir einen Vorwurf machen, wenn ich von außen lösche, statt noch jemand aus dem brennenden Haus zu retten, niemand wird mich für feige halten, wenn ich nur die Polizei rufe statt mich acht prügelnden Vollpfosten entgegenzustellen, und Bomben entschärfen tun sowieso nur eine Handvoll Leute in ganz Deutschland. Aber obwohl jedes Jahr ein paar Menschen bei solchen Aktionen sterben, sind wir doch ganz froh und dankbar, dass sie es versucht haben, und halten ihr Opfer für sinnvoll und ehrenhaft.

Jetzt wird es schwierig: vernachlässigbares Risiko und unnötiges Risiko sind nicht immer ohne weiteres zu unterscheiden. Wenn letzte Woche in der Zeitung stand: „New Yorker Amokläufer sticht Bäckerei-Kunden ab“, dann wird mich das morgen nicht vom Brötchenkauf abhalten, weil ich dieses Risiko für vernachlässigbar halte. Vielleicht etwas weniger leicht nachvollziehbar: ich halte meine Art des Fahrradfahrens für ein vernachlässigbares Risiko, während meine Begleiter oft verständnislos bis entsetzt reagieren. Andererseits geriete ich vermutlich in Panik, wenn die Flugzeugflügel beim Looping knirschen und krachen, während der Pilot mit jahrzehntelanger Kunstflug-Erfahrung das als völlig normal erkennt. Vermutlich ist die beste Möglichkeit der Unterscheidung die Laien-Definition von grober Fahrlässigkeit: „Kein Wunder, das konnte ja nicht gutgehen“. Wenn ich also ausprobiere, bis zu welcher Geschwindigkeit ich nackt auf dem Tank des Motorrades stehen kann, mit dem mein Kumpel gerade den Berg runterbrettert — wenn ich wette, dass ich mit drei laufenden Kettensägen jonglieren kann — wenn ich meine Autofahrkünste unter Beweis stelle, indem ich als Geisterfahrer fünf Abfahrten lang die A1 unsicher mache — wenn ich mich auf Rollschuhe stelle und mir ein Feststoffraketentriebwerk unter den Arsch schnalle: da sagt jeder normale Mensch doch nur „tut mir leid um ihn, aber das war doch abzusehen“. Was bringt sowas, abgesehen von trauernden Freunden und Verwandten? Sowas bringt mir vielleicht einen Darwin-Award ein, aber es bringt die Menschheit kein Deut weiter, und strenggenommen bringt es nicht mal mich selber weiter. Ja, vielleicht fühle ich mich danach eine Weile lang ganz ausserordentlich lebendig. Ja, vielleicht nehme ich die Welt plötzlich viel klarer wahr. Ja, vielleicht habe ich tatsächlich die Grenzen des bisher für möglich Gehaltenen erweitert. Aber wer, abgesehen von eine kleinen Clique von Speed-Skatern, interessiert sich dafür, dass man auf Rollschuhen die Schallmauer durchbrechen kann? Und, um auf den ursprünglichen Streit zurückzukommen: wer, abgesehen von einer kleinen Clique von Freeclimbern, interessiert sich dafür, dass man El Capitan oder irgendeine andere Wand ohne Seilsicherung in siebenundneunzig Sekunden klettern kann, während man mit vernünftiger Sicherung mehrere Stunden bis Tage braucht?

Wenn wir mal den Einfluss von Rauschmitteln außen vorlassen, dann sind die obigen Beispiele lauter Aktionen, die man macht, weil es sich geil anfühlt: man macht etwas, was man (vielleicht sogar sehr gut) kann und was saugefährlich ist, und man kriegt dafür von seinesgleichen eine Art von k0pfschüttelnder Bewunderung. OK, sowas habe ich auch schon gemacht, und es hat sich auch geil angefühlt, und mein Umfeld hat angemessen beeindruckt reagiert — aber jetzt, Jahrzehnte später, sage ich, dass es eigentlich eine völlig bescheuerte Aktion war, aus dem Klofenster rauszuklettern und auf den Balkon rüberzuspringen, und dass ich im Grunde genommen froh sein kann, es unbeschadet überlebt zu haben. Es hat niemandem geholfen, eigentlich nicht mal mir, und wenn es mich damals acht Meter tiefer auf die Kellertreppe geschmissen hätte, dann hätte jeder nur mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Schade um ihn — aber wieso macht er auch solchen Quatsch“. (Mal ganz davon abgesehen, dass es äußerst unfair war gegenüber demjenigen, der Stunden nach der Party wieder durchs Klofenster klettern musste, um von innen die Tür aufzuschließen …)

Und deshalb nenne ich es dumm, ohne Seilsicherung zu klettern. Natürlich schärft die Gefahr die Sinne und setzt außergewöhnliche Kräfte frei, und natürlich sind die Leute, die sowas machen, Superkletterer und können diese Routen mit 99,9%er Wahrscheinlichkeit sauber und fehlerfrei durchklettern. Das es ist trotzdem bei weitem kein vernachlässigbares Risiko, sonst wäre es ja nichts Besonderes! Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Griff wegbricht, dass man auf halber Höhe einen Krampf kriegt oder dass einem ein Steinchen auf den Kopf fällt, ist ganz klar nicht mehr in der Kategorie „beim Brötchenkauf von Amokläufer erstochen“: wenn morgen jemand in einer Blutlache vor der Brottheke endet, dann wird die Reaktion seiner Umwelt ungläubiges Entsetzen sein — wenn der nächste Free-Solo-Kletterer sein Gehirn über die Steine verteilt, dann heißt es „früher oder später musste sowas ja passieren“.

Kaputte Familien

Wenn ich mutiger gewesen wäre, hätte ich was dagegen tun können.
Andere Leute sind noch schlechter dran, also zählt mein Leid nicht.
Mein Leid zählt sowieso nicht.
Die anderen mögen mich eigentlich auch nicht, die tolerieren mich nur aus irgendeinem Grund.
Jeder starrt meine Narben an und denkt, ich sei verrückt.
Ich bin eigentlich ein Fake, ich tu so als wär ich normal.
Ich versuche nur, Aufmerksamkeit zu kriegen.
Wenn ich stärker wäre, würde es mich nicht stören.
Ich habe es nicht anders verdient.
Wenn ich mir selber genug weh tue, kann mir vielleicht niemand sonst wehtun.
Wenn es mir egal genug ist, dann zählt es ja eigentlich gar nicht.

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Bakker, Bakker und kein Ende

Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute sich von Bakker und deren Werbestrategie veralbert vorkommen. Die Kommentare zum Artikel „Bakker hat 50.000 Euro verlost?“ kommen mittlerweile täglich, und es ist immer dasselbe Lied: einen Brief von Bakker gekriegt, das Gewinnversprechen geglaubt, drauf geantwortet, nie wieder was gehört. Man sollte meinen, dass sich mittlerweile genug Leute bei Bakker beschwert haben müssten, dass sogar deren dummdreiste Marketingfuzzis den Wink mit dem Zaunpfahl gekriegt haben sollten.

Offenbar muss man da dickere Geschütze auffahren. Dummerweise fehlt mir inzwischen völlig der Anlass, denn wir haben seit Jahren schon keine weiteren Bakker-Gewinnspiel-Briefe mehr gekriegt — sind wir bei denen auf einer schwarzen Liste gelandet? Und die Briefe von damals sind längst zu Klopapier oder ähnlichem recyclet, das kann ich also auch nicht mehr zum Aufhänger nehmen.

Vielleicht sollte einfach mal die BILD-Zeitung eine ihrer plumpen Kampagnen starten, mit einer Riesenschlagzeile wie  „Millionen von Deutschen sagen: Herr Bakker, hören Sie auf, uns zu verarschen!“. Das dürfte innerhalb von 72 Stunden für eine grundlegende Änderung der Bakkerschen Werbestrategie sorgen…

Neulich, auf Spiegel Online…

Gewährschüsse? Oh, SPON — also ährlich…

Guttenberg: Aufstieg durch Leistung

Man mag ja zu Guttenberg für einen tollen Hecht halten, und man mag auch die Notwendigkeit nicht begreifen, in wissenschaftlichen Veröffentlichungen sauber zu zitieren — geschenkt. Aber es dürfte doch jedem wahlberechtigten Menschen klar sein, dass es wenig Mühe macht, sich seine Doktorarbeit einfach zusammenzuklauen! Weiterlesen