Schlagwort-Archive: Kind

Zwerggenesung

Junior ist wieder auf dem Damm! Die letzten paar Tage haben uns gestresst, weil der Kleine die letzte Impfung nicht so gut vertragen hatte wie die paar davor und daher ein wenig knötterig war. Aber laut Tagesmutter war er heute wieder das übliche Strahlemännchen — juchu!

Das war jetzt aber ein gutes Auffrischtraining für das nächste Kind: ich hatte im ruhigen letzten halben Jahr schon völlig vergessen, wie anstrengend es sein kann, wenn man mit dreieinhalb Stunden Schlaf einen Bug sucht…

Advertisements

Moralischer Aufschrei

Hei, was geht doch im Moment für ein Sturm der Entrüstung durch Netzforen und Zeitungen! Und alles bloß, weil eine junge Mutter als Scherz ihren 8 Monate alten Sohn bei eBay reingesetzt hatte, „fast neu“. Zack, Haftbefehl, Jugendamt, Kind in die Klinik, volles Programm! „Ja, aber über sowas macht man doch keine Scherze! Unmöglich, sowas!“

Haaaalloooooo! Erde an Großhirn, Erde an Großhirn, jemand zu Hause im Humorzentrum? Haben Late-Night-Showmaster jetzt ein Monopol auf geschmacklose Witze? Die kriegen noch den Grimmepreis dafür!

Das war ja auch nicht das erste Familienmitglied, was auf eBay angeboten wurde. Gute Güte, wie war das denn damals mit der als Sklavin angebotenen kleinen Schwester (8 Jahre? 12? Irgendsowas)? Wurde das ältere Geschwist da auch von Psychiatern auf Familiensinn und soziale Fähigkeiten getestet?

Und die Weltherrschaft? Ich weiß nicht mehr, wieviel die Urkunde damals erzielt hat, aber wenn ich mich nicht irre, ist die Versteigerung sogar durchgelaufen — muss sich bei sowas nicht die Bundesstaatsanwaltschaft einschalten? Schließlich ist das entweder Betrug oder ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung!

Leute, Leute… bei eBay werden alle Nase lang Scherzversteigerungen gestartet, manche witzig, manche weniger. Wenn man die alle ernst nähme, hätte man erstens viel zu tun und zweitens, nun ja, wenig Spaß. Aber vermutlich sind Jugendämter nach den letzten paar toten Kindern etwas dünnhäutig geworden und greifen im Zweifel lieber einmal zuviel ein. Gegen Wachsamkeit ist ja auch nichts einzuwenden, aber hätte da nicht ein Hausbesuch und ein Gespräch mit der Familie gereicht?

Also, ich fands witzig. Bloß gut, dass die Mutter „fast neu“ geschrieben hat und nicht „nur wenig benutzt“, sonst hätte sie das Kind wohl noch nicht wieder. Und wenn sie vom ausgepackten Verkaufsobjekt ein paar Fotos geschossen hätte, dann könnte man sie auch noch wegen Kinderpornographie drankriegen, dann wär eh alles vorbei…

Ein richtiger Junge

Gerade war ich plötzlich und nur schwer erklärlich gerührt, als ich beim Wickeln feststellen musste, dass Junior nicht nur Flicken auf der Hose hat, sondern Grasflecken auf den Flicken auf der Hose hat.

Aktueller Krankenstand

Nur ganz kurz für die Interessierten: Der Zwerg hatte seit der heftigen Pseudokrupp-Attacke keine weiteren Probleme, von normalem Husten abgesehen. Dafür hat Susanne jetzt eine Erkältung. Vermutlich ist die bis übermorgen bei mir gelandet, und dann ist ja bald auch schon wieder der Kleine dran.

Fröhliches Viren-Wichteln, das.

Pseudokrupp: ein Spaß für die ganze Familie

Gestern abend hatte ich Kinderdienst, weil Susanne einen Termin hatte. Das versprach, ein ruhiger Abend zu werden: Simon hatte seinen letzten Schnupfen gerade überwunden und war seit ein paar Tagen wieder das bestgelaunte Kind der Welt. Gute Vorraussetzungen, um noch ein-zwei Stündchen zu programmieren.

Pustekuchen.

Gegen 22 Uhr hörte ich über das Babyphon ein Schluchzen und wanderte rüber zur Kinderzimmertür. Nochmal ein Schluchzen, lauter und irgendwie verzweifelter. OK, also rein und den kleinen Pupser trösten, bevor er sich richtig reingesteigert hat. Kein Problem soweit.

Es ist nicht witzig, wenn man über seinem Kind steht und sich dessen Atmen anhört wie das „Huunk-huuuunk!“-Bellen eines Seehundes. Der Zwerg kriegte offensichtlich nicht so richtig Luft, und mit einem Schlag war mein Puls bei 180. Was war da los? Baumelkette zerrissen und Holzperle verschluckt? Schnuffeltuch bis in die Bronchien inhaliert? Mit abgebrochener Bett-Gitterstange den Brustkorb perforiert und jetzt eine kollabierte Lunge? Versehentlich beim nächtlichen Umdrehen den eigenen Kehlkopf zerbröselt? Verdammt, wie hat der Typ in dieser Notarztserie damals den Luftröhrenschnitt gesetzt? Mit Taschenmesser und Stifthülse?
Jaaa, das war erstmal ein wenig… verwirrend.

Irgendwann fiel mir dann ein, was dieser Kinderarzt beim Kurs „Notfälle im Kindesalter“ über Pseudokrupp erzählt hatte, und dass sich das meist schlimmer anhöre, als es sei. Nicht sofort tödlich, jedenfalls. Kind warm einpacken und eine Runde um den Block drehen, dann geht es meistens schon besser.

Sowas zu wissen beruhigt ungemein.

Mannomann, ich bin wirklich froh, dass wir diesen Kurs belegt haben. Jetzt werde ich ganz cool bleiben, wenn mein Kind auf der Straße liegt und irgendwelche Knochenenden aus dem Jackenärmel rausstehen, und Wiederbelebungsmaßnahmen bei Wesen, denen man mit dem Daumen in den Brustkorb drücken kann, können nicht mehr schrecken. Ausserdem weiß man ja nie, wann man eine Beule von einer Schädelfraktur unterscheiden muss… („Ach, diese Beule hier? Zeig mal her… Jaja, das ist Gehirnflüssigkeit, die durch den Bruch des Schädelknochens ausgetreten ist und da draußen jetzt eine Blase bildet, schwabbelschwabbel. Kein Pogo in den nächsten Wochen, klar?“).

Jedenfalls war da auch von Pseudokrupp die Rede, und dass frische Luft oft helfe. Ich also Jacke an und raus. Joah, frisch wars wohl, bei sowas wie -3 Grad. Dummerweise hatte ich beim Anziehen ein panisch zappelndes Kind auf dem Arm, und dementsprechend war mein Halstuch nicht ordentlich gewickelt und in meinen Schuhen steckten bloße Füße. Zum Glück wärmt so ein Säugling vor dem Bauch ja ganz gut.

Irgendwann kam dann auch die Rettung in Form der souveränen, ruhigen, entspannten, belastbaren und kälteresistenten Kindsmutter, und meine Tragzeit war vorüber. Zumindest, nachdem Susanne bei der Nachtapotheke für den Gegenwert der südafrikanischen Jahresdiamantenproduktion ein paar Kortisonzäpfchen und Hustensaft besorgt hatte, was die Atemnot aber nicht so recht linderte. Der Knabe lag bei uns im Schlafzimmer und hupte bei jedem Atemzug.

Bei der nächsten Attacke beschlossen wir dann, doch mal in die Uniklinik zu fahren, wo ein junger Assistenzarzt Simon durchcheckte und nach gründlicher Überlegung und ein paar Telefonaten aus der Krankenhausapotheke eine dreiviertel (also eine halbe und ein Viertel, und zwar handzerhackt!) Kortisontablette besorgte, was dann tatsächlich für ein Weilchen reichte. Die Zeit von 3:45 Uhr bis 5 Uhr haben wir nämlich geschlafen — aber danach saß Susanne erstmal wieder auf dem Balkon, mit einem röchelnden Deckenberg auf dem Schoß, und fror sich den Allerwertesten ab.

Naja. Im Laufe des Tages haben wir häppchenweise Schlaf nachgeholt, und jetzt sind wir fit genug, um der nächsten Nacht ins finstere Antlitz zu blicken; wenn nicht furchtlos, so doch resigniert.

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt:

Pseudokrupp: ein Spaß für die ganze Familie!

Wir machen uns das Kochen leichter

Nach dem opulenten Abendessen hatte ich heute nacht mal wieder ein Stündchen Zeit zum Grübeln, unter anderem übers Kochen. Das mache ich ja eigentlich gerne, aber mir geht das ganze Drumherum auf den Keks, all das Einkaufen/Vorbereiten/Putzen… nervig, das.
Großer Aha-Effekt der letzten Monate: wir stellen jetzt nicht mehr mittendrin fest, dass uns der Schuss Sahne für die Soße fehlt, weil wir jetzt einfach alle paar Wochen einen Pott Sahne kaufen und das Zeug in Eiswürfelformen gießen und einfrieren.
Keine Ahnung, von wem ich die Idee habe, auf meinem Mist ist sie nicht gewachsen, aber das funktioniert wunderbar: man wirft einfach zwei Klötzchen Sahne in den Bratenfonds, und voilà: Sahnesoße!
Das haben wir mittlerweile auf Apfelmus, Birnenmus, Karottenbrei, Kürbis-Kartoffelbrei und Karottensaft ausgeweitet. Der Vorteil ist, dass man den fertig gekochten Hirsebrei von der Platte nimmt, drei Klötzchen Birnenmus reinhaut, dreimal umrührt und — Zack! — mundgerecht temperierten Hirsebrei mit Birne hat! Seeeehr praktisch, wenn sich das Kind gerade in Hungerqualen windet und die gesamte Stadt zusammenschreit.
Der Nachteil ist, dass man im Eisfach nichts mehr wiederfindet, weil sich da ein halbes Dutzend Tüten mit Eiswürfeln stapeln. Und wenn wir demnächst anfangen, auch noch Bratenfonds und Weißwein einzufrieren, dann wird das der Eiswürfel, der das Gefrierfach zum Platzen bringt.